Vor ein paar Monaten habe ich einige Flaschen Riesling verkauft. Nicht, weil ich die nicht gemocht habe, sondern weil der Keller aus allen Nähten platzt und wir mit hochwertigem Riesling überversorgt sind. Unter den verkauften Weinen befand sich auch die 2019er Hermannshöhle von Dönnhoff. Dazu bekam ich kürzlich vom Käufer die Rückmeldung, der Wein sei "hinüber", "keine Frische". So etwas kann bei schlechter Lagerung passieren. Nun weiß ich aber natürlich, dass die Flaschen in unserem klimatisierten Keller lagerten, sodass ich ein Lagerungsproblem eigentlich ausschließen kann. Ich wollte aber natürlich wissen, was da los ist und habe daher heute eine der verbliebenen Flaschen geöffnet. Hinüber oder ohne Frische war da gar nichts.
2019 Dönnhoff Niederhäuser Hermannshöhle Riesling GG
Mittelgelb mit Goldschimmer
Im Duft recht verhalten, zunächst mit Zitrusaromatik und etwas Papaya(?). Wenn man länger hineinriecht, offenbart sich durchaus Tiefe und neben die Zitrusaromatik treten Noten von Orange, Suppenkräutern und eine mineralische Komponente - der Duft nimmt an Komplexität zu, bleibt dabei aber verhalten
Am Gaumen ist das ein in sich ruhender Wein, recht kraftvoll und mit viel Substanz. Getragen wieder von Zitrusaromen soiwe einer ausgeprägten Mineralik und hervorragend integrierter Säure. Recht langes, salzig-mineralisches und wieder zitrusfruchtiges Finale.
Das ist kein Wein, der einen überrollt, sondern einer, mit dem man sich etwas beschäftigen muss. Ich lasse mir nicht ausreden, dass das ein hervorragender Riesling ist, aber ich würde ihm noch etwas Zeit geben.
91-93+ Den Wein würde ich eher noch zwei bis drei Jahre reifen lassen
