Samstag, 29. August 2026

Ende gut, alles gut

Während eines Portugal-Urlaubs im Jahr 2015 tranken wir (unter anderem natürlich) einen 2013er Alvarinho des Palacia da Brejoeira aus der Region Vinho Verde. Ich fand den Wein sehr gut, konnte aber keine Bezugsquelle für Deutschland entdecken. Ich habe den Wein dann kurze Zeit später in einem Post über andere Alvarinho-Weine (guckstu hier) erwähnt, ansonsten aber vergessen. Vor ein paar Tagen bin ich dann zufällig auf diesen alten Post gestossen und habe aus Neugier mal gegugelt, ob der Wein jetzt in Deutschland erhältlich ist. Tatsächlich ist er das, aber bestellt habe ich dann (weil es trotz der Frachtkosten günstiger war) bei einem portugisischen Händler. Und so kam ich also dann nach mehr als 10 Jahren doch noch zu meinem Palacio da Brejoeira - und habe es nicht bereut. 



2025 Palacio da Brejoeira "Alvarinho" (der Jahrgang findet sich nur ganz klein auf dem Rückenetikett)

Recht helles Gelb 
Intensiver Duft mit nussigen Noten, daneben grüne Frucht, mit mehr Luft Melone 
Am Gaumen noch etwas unruhig, recht körperreich mit intensiver Aromatik, feiner Säure und recht langem Nachhall. 

89-91, mit der nächsten Flasche eher bis nächstes Jahr warten 

Samstag, 22. August 2026

Der Süßwein der Woche (20)

Dieses Mal gibt es eine etwas Mosel-lastige Ausgabe mit ein paar älteren Semestern. Den Anfang macht allerdings eine Auslese von der Nahe.  

 


2007 Dönnhoff Niederhäuser Hermannshöhle Riesling Auslese 

Reifes Goldgelb
Recht zurückhaltender reintöniger Duft mit gelber Frucht (Aprikose), Mango und Backgewürzen
Auch am Gaumen etwas verhalten, zunächst kommt der Süßeeindruck, dann kommt die Frucht stärker zum Vorschein. Recht langes Finale, in dem sich dann auch eine leichte Chili-Schärfe zeigt. 

89-91, wird sich noch einige Jahre auf dem Niveau halten, aber es gibt keinen Grund zu warten 


Danach zunächst eine 1976er Beerenauslese, die leider nicht mehr in trinkbarer Verfassung war und, quasi als Kompensation, eine sehr schöne 1995er Beerenauslese. 



1976 Leo Kappes Zeltinger Sonnenuhr Riesling Beerenauslese 

Dunkler Bernstein 
Im Duft zurückhaltend, etwas nasser Karton, Andeutungen von Nüssen und Trockenfrüchten 
Am Gaumen nur ganz wenig Süße, dafür aber eine heftige Bitternote und eine etwas vordergründige Säurewahrnehmung. Das macht so keinen Spaß. 

ohne Bewertung 

 

1995 Ernst Loosen Erdener Treppchen Riesling Beerenauslese

Kräftiges Rotbraun
Eher verhaltener, aber feiner Duft mit floralen Noten und etwas Dörrobst 
Am Gaumen süße Attacke, in der zweiten Welle nimmt die Säure der Süße aber die Spitze, viskose Textur, nicht sehr intensive aber klare Frucht (Richtung Trockenfrüchte), recht langes Finale 
Sehr schön gereifter Süßwein

91-93, dürfte noch das ein oder andere Jahr durchhalten 


Seit Anbeginn meiner Weinliebhaber-Karriere hatte der Lagenname "Berncasteler Doctor" für mich etwas Mystisches. Diese Auslese aus dem sehr warmen Jahr 2018 war sehr schön und kann möglicherweise mit mehr Reife noch zulegen. 



 

2018  Wwe. Dr. Thanisch Erben Thanisch Bernkasteler Doctor Riesling Auslese 

Kräfties Gelb mit Goldschimmer 
Im Duft eher zurückhaltend, aber recht komplex; gelbe Früchte mit exotischem Einschlag, Kandis, Sahne(?), mit mehr Luft Rauch
Sehr süßer Antrunk, gelbe Frucht, hintergründige Säure, recht langes, süßes Finale 

90-92, bis 2035+ 


Den Abschluß bildet der jüngste Wein dieser Ausgabe, eine großartige 2019er Spätlse von der Saar. 


 

 

2019 Hofgut Falkenstein Krettnacher Euchariusberg Riesling Spätlese #14 (Ternes)

Mittelgelb 
Sehr feiner, animierender Duft mit viel reifer gelber (auch exotischer) Frucht und dezent Backgewürzen 
Auch am Gaumen reife Gelbfrüchte, dazu eine sehr schöne Harmonie zwischen Süße und rasanter Säure, langes Finale. 
Hervorragende Spätlese mit grossem Trinkfluss und Zukunft.  

92-94, bis 2035+ 

Dienstag, 18. August 2026

Endlich wieder (Rot)Wein

Nach einem dreiwöchigen weinfreien Urlaub hatte ich heute Lust auf einen guten Tropfen. Und da heute erstens Pinot-Noir-Tag und zweitens das Wetter (endlich mal wieder) rotweintauglich ist, sollte es Spätburgunder sein. Meine Wahl fiel auf den "R" des (rheinhessischen) Weinguts Saalwächter aus dem (rheingauer) Assmannshäuser Höllenberg. Der "R" stammt aus dem besten Fass des Höllenbergs und ist entsprechend rar (300 Flaschen, soweit ich weiß) und auch selbstbewusst bepreist. 

 


2018 Saalwächter Assmannshäuser Höllenberg "R" 

Recht helles Rot 
Unmittelbar nach dem Öffnen strömt aus dem Glas ein feiner, delikater Duft mit vor allem roter Frcuht (Erdbeere und Himbeere, mit mehr Luft Kirsche), dahinter gewürzige Noten und etwas Menthol, das Ganze bei aller Intensität elegant und fast schwebend wirkend. Mit mehr Luft auch florale Noten (Rosenblätter?) 
Auch am Gaumen rotfruchtig mit prägnanter Säure. Wieder sehr elegant mit seidigem Tannin, mittellanger rotfruchtiger Abgang. 
Hält am Gaumen (noch?) nicht ganz, was die Nase verspricht. 

90-92+, mit der nächsten Flasche werde ich noch zwei bis drei Jahre warten