Samstag, 16. Mai 2026

Dagromis

Barolos und Barbarescos von Angelo Gaja sind Weine, die preislich weit nördlich meines Budgets liegen. Dachte ich jedenfalls. Bis ich durch ein Tauschgeschäft mehr zufällig an eine Flasche Dagromis kam. Nicht, dass der billig wäre (um die 100 Euro sind da fällig), aber er ist preislich doch sehr deutlich unter den beiden anderen Barolos des Hauses (Sperss und Conteisa) angesiedelt. Die Trauben stammen aus La Morra und Serralunga d'Alba.

Nachdem die Flasche nun mal da war, habe ich sie (vermutlich viel zu früh) entkorkt. Am ersten Tag war der Wein dann auch durchaus abweisend. Zwei Tage später präsentierte er sich deutlich angenehmer. Aber zum echten Barolo-Fan macht mich auch dieser Wein nicht.

 

 

 

2020 Gaja Barolo "Dagromis"

Recht helles Rot mit Wasserrand
Recht ausladender und vielschichtiger Duft mit roter Frucht (Erdbeere, Granatapfel), floralen Noten (Blütenblätter) und einer erdigen Komponente
Am Gaumen zupackend mit noch recht kräftigem Tannin und präsenter Säure. Die feine Fucht macht sich dann mit etwas Verspätung bemerkbar und gibt dem Wein eine Eleganz, die man anfangs nicht erwartet hätte. 

91-93, dürfte von weiterer Lagerung profitieren. Derzeit würde ich auf jeden Fall längeres Dekantieren empfehlen. Bis 2035

Montag, 11. Mai 2026

Der Süßwein der Woche (19)

Diesmal gab es fünf Rieslinge aus vier deutschen Anbaugebieten, alle aus halben Flaschen. Den Anfang machte ein Auslese von Robert Weil, die dieses Jahr ihren 30. Geburtstag feiert.


1996 Robert Weil Kiedricher Gräfenberg Riesling Auslese (aus halber Flasche) 

Rotbraun
Im Duft zunächst verhalten, Trockenpflaume, Früchtebrot, Nüsse
Am Gaumen vital wirkend mit ausgeprägter Süße, die aber in der prägnanten Säure einen adäquaten Gegenpart hat. Wieder Trockenfrüchte und Nüsse. Langes Finale.
Toll gereifte Auslese, die trotz ihrer ausgeprägten Süße sehr trinkanimierend ist. 

92-94, dürfte noch einige Jahre vor sich haben 



Vom ältesten Wein dieser Ausgabe ging es dann zum jüngsten Wein, einer 2015er Auslese aus dem Westhofener Morstein.

2015 Keller Westhofener Morstein Riesling Auslese (aus halber Flasche)

Goldgelb
Sauberer Duft nach gelben Steinfrüchten (Aprikose) und etwas Zitrus; mit mehr Luft tritt die Zitrusnote stärker  hervor.
Dezente Zitrusfrucht, Backgewürze, die ausgeprägte Süße wird durch eine rasante Säure gezügelt, schönes Spiel, Kandisnoten, recht langes Finale. Ich denke, der Wein ist noch nicht auf seinem Höhepunkt angekommen.

90-92+, besser noch ein wenig liegen lassen, dann sicher bis Ende des nächsten Jahrzehnts 


Danach folgten zwei Weine von der Nahe, beide vom Weingut Dr. Crusius und aus dem Hitzejahr 2003.

2003 Crusius Traiser Rotenfels Riesling Auslese (aus halber Flasche)

Dunkles Goldgelb, schon Richtung Bernstein
Im Duft von mittlerer Intensität mit sehr klarem Fruchtausdruck: viel gelbe Steinfrucht, auch getrocknete Aprikose
Auch am Gaumen viel reife gelbe Frucht. Die Frucht "trägt" die Süße, so dass diese (obwohl die Säure sensorisch nicht sehr ausgeprägt ist) harmonisch und nicht pappig wirkt. Das ist eine sehr schöne und hervorragend gereifte Auslese 

91-93, bis 2035 


2003 Crusius Norheimer Kirschheck Riesling Beerenauslese 

Bernstein
Spannender Duft mit einerseits frischer Frucht (Rhabarber), dann aber auch Nüsse und Trockenfrüchte, das alles aber sehr sauber. Mit mehr Luft Backgewürze, Vanille und sogar eine leicht pfeffrige Note
Am Gaumen opulente Süße, eher Würze als Frucht, leichte Ingwerschärfe im Finale. 

89-91, bis 2035 


Den Abschluß bildete dann eine "Nummernauslese" von der Ruwer aus dem Jahr 2009.

2009 Maximin Grünhaus Maximin Grünhäuser Abtsberg Riesling Auslese Nr. 149 

Goldgelb
Etwas zurückhaltender, aber sehr feiner Duft nach gelben Früchten und Backgewürzen mit einem Hauch Vanille
Auch am Gaumen ist das ein eher zurückhaltender, eleganter Wein mit gut dosierter Süße, dezenter Frucht und einer feinen (an Tonic erinnernden) Herbe im Finale
Schön zwar, aber der Wein bleibt doch etwas hinter meinen Erwartungen zurück 

90-92, da ist keine Eile geboten, bis 2030+