Mittwoch, 18. Februar 2026

Entscheidungshilfe

Vor einigen Tagen habe ich bei einem Händler 2019er Chateau Sociando-Mallet zu einem wirklich sehr guten Preis entdeckt und überlege, ein paar Flaschen zu kaufen. Einerseits habe ich mit dem Chateau gute Erfahrungen gemacht, andererseits ist der Keller voll, und mit 2019er Bordeaux sind wir mehr als ausreichend versorgt. 

Nun begab es sich, dass ich heute im Keller (wirklich zufällig) über die beiden letzten Flaschen 2000er Sociando-Mallet gestolpert bin. Als "Entscheidungshilfe" wurde eine davon entkorkt.


 

2000 Chateau Sociando-Mallet

Mittleres Rot mit Reifenoten
Recht ausgeprägter Duft nach dunklen Früchten, Zedernholz, Paprika und (nur unmittelbar nach dem Öffnen) auch einem Hauch Pferdestall. Mit mehr Luft und etwas höherer Temperatur wird die Frucht etwas dominanter und es zeigt sich eine leicht minzige Note Das ist sehr typisch und sehr Cabernet Sauvignon (und ja, ich weiß, dass der Cabernet-Anteil bei Sociando-Mallet tatsächlich gar nicht sehr hoch ist)
Am Gaumen mittelgewichtig, wieder sehr Cabernet mit etwas Paprika neben der dunklen Frucht, noch durchaus präsentem Tannin und recht langem Finale
Das ist ein schöner, sehr typischer und etwas kantiger "linksufriger" Bordeaux, in dem noch eine Menge Leben steckt. Mir gefällt das sehr. 

91-93, jetzt in bester Trinkreife, die er noch einige Jahre halten dürfte 


Es ist ganz interessant, sich Bewertungen für den 2000er Sociando-Maller anzuschauen. Die gehen nämlich (selbst dann, wenn man sich Bewertungen aus dem gleichen Jahr anschaut) ziemlich weit auseinander. Teilweise wird der Wein wegen grüner und krautiger ("herbaceous") Noten schlecht beurteilt. Andere Verkoster erwähnen diese grünen Noten gar nicht, sondern sprechen eher von Frucht, Dichte und Länge. Die Verdikte reichen von "disappointing showing" (Neal Martin, 2010) über "a beautiful wine and certainly one of the great sleepers of the vintage" (Robert Parker, 2010) bis "a gloriously successful vintage for Sociando-Mallet" (Stephen Tanzer 2003). 

Ich kann den Verweis auf grüne Noten ein Stück weit nachvollziehen, denn die Paprikanoten erinnern durchaus an Bordeaux aus Jahren mit eher knapper Reife. Mich stören sie aber nicht, weil sie zusammen mit der Frucht ein für mich stimmiges Gesamtpaket ergeben.


Mittwoch, 11. Februar 2026

Mischen possible

Zu diesem Wein bin ich gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Ich hatte online ein paar Flaschen Rioja bestellt. Der bestellte Jahrgang war aber vergriffen, und der Händler bot mir dafür einen anderen Jahrgang und zusätzlich diese Flasche als Zugabe an. Der Wein ist dem Etikett nach eine Sonderabfüllung für den Händler. Er stammt aus der Region Carinena und ist eine Cuvée aus drei Rebsorten, die ich in dieser Zusammensetzung noch nie gesehen und auch nie erwartet hätte: Cabernet Sauvignon, Garnacha (Grenache) und Tempranillo.





2019 Bodegas Panizas Carinena D.O. "Terra de Govo" 

Mittleres Rot, zum Rand hin etwas Orange
Im Duft nicht sehr intensiv, eher rote als dunkle Früchte, eine leicht rosinige Note, Kräuter. Wenn man es weiss, kann man die Grenache erkennen (auf Cabernet und Tempranillo wäre ich sicher nicht gekommen)
Am Gaumen würzig, zurückhaltendes Tannin, dabei eher verhaltenes Geschmacksprofil und nicht sehr lang. 

85-87, würde ich in den nächsten zwei bis drei Jahren trinken

Sonntag, 18. Januar 2026

Der Süßwein der Woche (17)

Die letzte "Süßwein-Runde" aus 2025 (mit etwas Verspätung gepostet) mit einer sehr schönen 2021er Rieslaner Auslese, einem Oldie aus dem Jahr 1990 und zwei Weinen aus dem Jahrgang 2018 (den ich ab Februar etwas genauer unter die Lupe nehmen möchte). 



2021 Keller Rieslaner Auslese 

Kräftiges Gelb mit Goldschimmer
Zurückhaltender, aber feiner Duft nach exotischen Früchten (Maracuja, Papaya?)
Am Gaumen viel exotische Frucht, vor allem Maracuja. Dabei sehr präzise mit sehr guter Süße-Säure-Balance, fast zart wirkend und trotzdem mit recht langem, wieder exotisch-fruchtigem Finale
Eine ganz hervorragende Auslese - man mag das Glas kaum absetzen 

91-93, bis 2040 

 


1990 Schloß Schönborn Erbacher Marcobrunn Riesling Spätlese 

Dunkles Goldgelb mit rötlichem Schimmer
Im Duft zunächst noch erstaunlich viel Frucht; neben Aprikose und Pfirsisch auch Quitte. Mit zunehmendem Luftkontakt bricht die Frucht allerdings weg
Am Gaumen mit spürbarer Süße, daneben wieder gelbe Frucht, Andeutung von Firne und mit einer ganz leichten Bitternote (vielleicht wegen des mit 11% für eine restsüße Spätlese recht hohen Alkoholgehalts?), endet recht lang auf gelben Fruchtnoten  Der Wein ist noch erstaunlich gut beieinander, sollte nun aber bald getrunken werden. 

85-87, austrinken  



2018 Dönnhoff Niederhäuser Hermannshöhle Riesling Spätlese 

Kräftiges Mittelgelb
Im Duft eher verhalten, gemischte Früchte, etwas süßer Apfel
Am Gaumen süße Frucht, etwas Backgewürze, passende Säure, die den Wein in gute Balance bringt, recht langer, süßfruchtiger Abgang 

89-91, bis 2035 


2018 Dönnhoff Oberhäuser Brücke Riesling Auslese 

Mittelgelb
Zunächst eher verhaltgener Duft nach gemischten Früchten. Ich kann da kaum einzelne Aromen identifizieren, und das erinnert mich an 2003
Auch am Gaumen wieder gemischte Frucht, ausgeprägte, aber unaufdringliche Süße, im Finale Andeutung roter Frucht 

89-91, bis 2035+

Sonntag, 14. Dezember 2025

Mit fünf Jahren Verspätung

Bei der Subskriptionskampagne für den Jahrgang 2019 während der Corona-Pandemie hatte ich überlegt, diesen Wein zu subskribieren, habe es dann aber doch gelassen. Vorigen Monat flatterte mir dann das Angebot eines Händlers in den virtuellen Briefkasten, der den Wein zu einem Preis anbot, der nur wenig über dem seinerzeitigen Subskriptionspreis lag (und der Jahrgang 2019 war wegen der damaligen Umstände und angesichts seiner Qualität preislich attraktiv). Da bin ich dann doch schwach geworden und habe, quasi mit 5 Jahren Verspätung, ein paar Flaschen geordert.



2019 Chateau du Domaine de l'Eglise 

Sehr dunkles Rot ohne Reifenoten
Der Duft springt einen direkt an: intensiv, mit viel reifer dunkler und auch roter (Himbeere) Frucht, heller Tabak, unmittelbar nach dem Öffnen auch etwas Blut
Auch am Gaumen ist da sehr viel Frucht, eingebettet in weiches Tannin, das sich erst im Finale richtig bemerkbar macht. Der hohe Alkohol (15% laut Etikett) ist im Finale spürbar.
Das ist ein guter, etwas "plüschiger" Wein, der (nicht zuletzt wegen des hohen Alkohols) zum Essen serviert werden sollte - "solo" macht er schnell satt. 

90-92, ob der Wein sich noch verbessern wird, vermag ich nicht zu sagen. Aber er hat auf jeden Fall noch viele Jahre vor sich

Donnerstag, 11. Dezember 2025

Der Süßwein der Woche (16)

Diesmal ist die Auswahl deutlich Mosel(Nebenfluß)-lastig mit nur einem kurzen Abstecher nach Österreich. Den Anfang macht eine hochkarätige Auslese von der Saar.



2017 Markus Molitor Saarburger Rausch Riesling Auslese***

Goldgelb
Intensiver Duft nach gelben Früchten (Aprikose und Pfirsisch) mit leicht exotischem Einschlag (Mango?)
Am Gaumen süßer Antrunk, dem dann eine Ladung gelber Frucht folgt. Das Ganze wird von sehr gut eingebundener Säure in sehr schöner Balance gehalten, so dass der Wein animierend wirkt. Leicht viskose Textur. Im langen Abgang mit dezenter Kandisnote.
Hervorragende Auslese, die noch ein langes Leben vor sich hat. 

93-95, bis 2040+ 

 

Von der Mosel geht die Reise in die Steiermark. Tement, einer der absoluten Top-Betriebe hier, macht hin und wieder auch edelsüße Weine, darunter diese Trockenbeerenauslese aus Sauvignon Blanc und der Paradelage Zieregg.

 


2017 Tement Ried Zieregg Sauvignon blanc TBA Tement Essenz 

Reifes Goldgelb
Ausgeprägter Duft mit viel exotischer Frucht, auch etwas Rosine und Kandis
Am Gaumen opulente Süße, viskos, die Frucht ist hier etwas verhaltener als im Duft. Die Süße wird weniger durch die Säure als durch eine herbe Note im Finale gepuffert. 

91-93, bis 2040+

 

Zurück an die Mosel. Nochmal Saarburger Rausch, nochmal 2017. Ich fange an, ein Fan dieses Mosel-Jahrgangs zu werden (guckstu auch hier). 




2017 Forstmeister Geltz Zilliken Saarburger Rausch Riesling Spätlese

Goldgelb
Im Duft sehr schön und animierend mit viel Aprikose, Quitte und einem exotischen Einschlag 
Am Gaumen wieeder viel Aprikose und exotische Frucht; ausgeprägte, aber sehr gut durch die Säure balancierte Restsüße. Langes und leicht herbes Finale.
Was für eine schöne Spätlese.

92-94, jetzt in perfekter Trinkreife mit Potential für weitere Jahre 

 

Ein Jahr jünger, aus dem warmen Jahr 2018 und ebenfalls von der Mosel stammt der nächste Wein 


2018 A.J. Adam Dhroner Hofberg Riesling Kabinett 

Mittelgelb 
Recht ausgeprägter und leicht rauchiger Duft nach einem Potpourri von Früchten mit Apfel, rotfruchtigen Noten und exotischem Einschlag, auch etwas Backgewürz
Auch am Gaumen fruchtbetont, unaufdringliche Süße, pikant, guter Trinkfluß, recht langes Finale
Für einen Kabinett eher auf der üppigen Seite, aber gut 

89-91, Potential für 5-10 Jahre 

 

Und auch zum Abschluß noch einmal Mosel, bzw. genauer gesagt Ruwer. Die nachfolgende Spätlese, ursprünglich 2015 auf der Versteigerung des Großen Rings versteigert, konnte ich für kleines Geld als reduzierten Restposten bei einem Händler kaufen. Ob die Nummerierung eine Hommage an Douglas Adams ist?



2014 Eitelsbacher Karthäuserhofberg Riesling Spätlese Nr. 42 -Versteigerung- 

Goldgelb
Mittelkräftiger, sauberer und animierender Duft nach gelben Früchten (Aprikose), rauchig
Am Gaumen ebenfalls gelbfruchtig mit leichter Zitrusnote und sehr schöner Balance zwischen unaufdringlicher Süße und Säure, dabei präzise und von fast kristalliner Klarheit. Langer Nachhall.
Sehr schöne, eher "leise" Spätlese. 

92-94, hat Reserven für weitere fünf bis zehn Jahre

Freitag, 14. November 2025

Sangiovese meets Merlot

Der Siepi ist eine Cuvée aus Sangiovese und Merlot und ist quasi der "Supertuscan" aus dem Hause Mazzei (Castello di Fonterutoli). In der Liga spielt er auch preislich; aktuelle Jahrgänge sind für knapp unter 100 Euro zu haben. Von diesem 2006er konnte ich im Sommer aber einige wenige Flaschen für 35 Euro kaufen, und da habe ich dann nicht lange überlegt.

 


2006 Siepi

Mittleres bis dunkles Rot mit ganz leichten Reifenoten
Im Duft eher verhalten mit Noten von Kirsche, dunkler Frucht und einer schönen Würze
Am Gaumen zeigt sich der Wein auf den Punkt gereift. Da ist wieder die Kombination aus Frucht und Würze, dazu noch ausreichend Tannin, um dem Wein Struktur zu geben. Im Finale zeigt sich dann eine etherische Note, die den Wein frisch wirken läßt. 

91-93, jetzt in hervorragender Trinkreife. Dieses Niveau mag der Wein noch einige Jahre halten, aber es gibt keinen Grund zu warten.

Mittwoch, 12. November 2025

Die vergessenen Flaschen

2015 habe ich sechs Flaschen 2014er Chateau Charmail in Subskription gekauft. Zwei Flaschen haben wir jung getrunken und den Wein dann mehr oder weniger vergessen. Irgendwann fiel mir dann wieder ein, dass es ihn irgendwo im Keller noch geben muss, aber ich konnte ihn nicht finden. Erst als ich (aus ganz anderem Grund) die unterste (und unbeschriftete) Kiste in einem Stapel aus Bordeaux-Holzkisten untersucht habe, habe ich sie wiedergefunden. Dieses Ereignis wurde dann wenige Tage später mit dem Öffnen einer Flasche gefeiert. Und wo wir schon mal dabei waren, gab es kurz darauf den ebenfalls 2015 in Subskription gekauften 2014er Clos Floridene (in rot; es gibt auch einen Weißwin des Gutes).




2014 Chateau Charmail

Recht dunkles Rot mit leichter Reifenote
Ausgeprägter Duft nach eher roten als dunklen Früchten, daneben etwas Waldboden
Auch am Gaumen viel Frucht, mittelgewichtig und von eher kerniger Art mit einer gesunden Portion leicht trocknenden Tannins. Am zweiten Tag weitgehend unverändert.
Schöner, sehr gut trinkbarer kleinerer Bordeaux mit Reserven 

88-90, bis 2030 


2014 Clos Floridene

Recht dunkles Rot mit leichter Reifenote
Im Duft dunkle Früchte (Heidelbeere) mit einem ganz leichten grünen Akzent
Am Gaumen ebenfalls dunkelfruchtig, mit weitegehnd abgeschmolzenem Tannin und recht prägnanter Säure. Nicht sehr komplex, aber gut trinkbar. Wird sicher nicht mehr besser. 

86-88, in den nächsten zwei bis drei Jahren trinken