Dienstag, 15. September 2026

Two Mysteries in One Box

Ich habe es also wieder getan. Ein "Mystery-Paket" bestellt, das zu einem Preis, der weniger als der Hälfte des "Wertes" entspricht, angeboten wurde. In diesem Paket versteckten sich gleich zwei Geheimnisse. Erstens natürlich das Geheimnis um die Weine im Paket und ihre Qualität. Dieses Geheimnis ließ sich duch Öffnen des Pakets und Probieren der Weine recht leicht lüften (siehe unten). Das zweite Geheimnis liegt in der Frage, warum ich mit gewisser Regelmäßigkeit solche Pakete bestelle, obwohl mich doch noch nie eins wirklich überzeugt hat. 

Erstens sind solche Pakete vermutlich dazu da, um Kunden "anzufixen". Dem entsprechend enthalten sie Weine, die dem vermuteten Massengeschmack entsprechen, aber eben nicht meinem. Zweitens kam im vorliegenden Fall hinzu, das offenbar einige der Weine Exklusivabfüllungen für diesen Händler waren. Daher lässt sich der Rabatt nur relativ zu den früheren (vielleicht überhöhten) Preisen des gleichen Händlers, nicht aber zu den Preisen anderer Anbieter beurteilen, da es letztere ja gar nicht gibt. Mit anderen Worten: Ich sollte es in Zuklunft einfach lassen. 

 


Der erste Wein, ein Rosé aus der Rebsorte Nero d'Avola, wird beworben mit 97 Punkten von Luca Maroni und 99 Punkten von "Italian Wine Guy", wer immer das ist. Die Bewertung ist so absurd, dass ich mir nicht die Mühe gemacht habe, das zu gugeln. 

 

2025 Corte al Passo Nero d'Avola Sicilia Rosé  

Recht helles Rosa 
Im Duft zum Auftakt leicht floral, dann recht ausgeprägte Frucht, wobei rotfruchtige Noten dominieren. Das ist nicht sehr komplex, aber durchaus charmant 
Am Gaumen kommt die Frucht dann etwas undifferenziert und leicht parfumiert wirkend daher. Dieser Eindruck paart sich mit einer leichten Bitternote, die dann recht lang am Gaumen haften bleibt. 

82-84, jung trinken  


Es folgt ein Lugana 

2024 Sonomara Lugana 

Mittelgelb 
Angenehmer Duft, leicht nussig, Orange, gelbe Frucht 
Das setzt sich am Gaumen fort: Auch hier leicht nussig mit dezenter Frucht, darunter wieder Orange. Nicht komplex und auch recht kurz, aber ein sauberer, unkomplizierter Wein. 

84-86, jung trinken  

 

Weiter geht es mit einem Merlot aus Umbrien (mit moderatem Alkoholgehalt von 12,5%)

2024 La Carusa Merlot, Umbrien

Mittleres Rot 
Im Duft recht ausgeprägt mit charmanter, eher roter Frucht 
Am Gaumen recht kraftvoll, weich wirkend mit Frucht und Würze, endet kurz.  
Einfacher, aber korrekter Wein. 

84-86, jung trinken


Dann ein Wein, den es hier tatsächlich schon einmal gab (guckstu hier) und der aus drei Anbaugebieten (Apulien, Sizilien und Kalabrien) und Rebsorten (Primitivo, Nero d'Avola und Syrah) zusammengestellt ist. 

Ohne Jahrgang Tre Zone Vino d'Italia 

Mittleres bis dunkles Rot 
Intensiver Duft mit süßlicher Anmutung, dunkle Frucht, geröstete Paprika(?)  
Am Gaumen deutliche Süße, schwergewichtig und fast marmeladig, wenig Struktur, viel dunkle Frucht 
Ich weiß, dass es Leute gibt, die so etwas mögen, aber ich kann damit nicht viel anfangen. 

84-86  


Der letzte Rotwein war ein Spanier aus Montsant. Den fand ich richtig schlecht. 

2022 Cellar de Capcanes Montsant

Recht dunkles Rot 
Im Duft dunkle Frucht, etwas pfeffrige Würze 
Am Gaumen zunächst dunke Frucht, die dann aber von einer brandig-alkoholischen Note übertönt wird. Schlimm. 

75-79  


Danach ging es an die Mosel, und es konnte eigentlich nur besser werden (wurde es auch). 

2025 Josef Milz Schiefergold Riesling trocken 

Mittelgelb 
Recht ausgeprägter und noch etwas unruhger Duft nach Steinobst und Zitrus 
Am Gaumen saftig und mit gelber Frucht und dezenter Säure. Wirkt recht "weich" (fast hätte ich "weichgespült" geschrieben), ist aber vielleicht gerade dadurch massentauglich. Auf jeden Fall ein ordentlicher Gutsriesling. 

85-87  

Sonntag, 13. September 2026

Spaß mit Anspruch

Vom Weingut Willi Schaefer (mit seinen kompromißlos altmodischen Etiketten) habe ich eine sehr hohe Meinung. Die gründet sich allerdings bislang ausschließlich auf restsüße Weine (guckstu hier). Kürzlich habe ich zum ersten Mal einige Flaschen eines trockenen Weines gekauft. Tatsächlich wurde 2025 nur ein einziger trockener Wein produziert. Er ist nominell und preislich ein Ortswein, stammt aber aus den Graacher Spitzenlagen Himmelreich und Domprobst und schmeckt auch so. 

 

2025 Willi Schäfer Graacher Riesling trocken 

Hellgelb 
Recht ausgeprägter Duft mit floralen Noten, denen dann knackige Frucht (eher gelbe Früchte und Apfel als Zitrus) folgt 
Am Gaumen eine sehr präzise Kombination aus wieder knackiger Frucht und einer hervorragend dosierten reifen Säure sowie einem leichten salzig-mineralischen Touch und guter Länge 
Ein ungeheuer frischer und trinkanimierender Riesling, der sich jetzt schon hervorragend trinkt, der aber Potential für einige Jahre haben dürfte. Das macht richtig Spaß. 

89-91, bis 2030+  

Samstag, 5. September 2026

Sociando

Nachdem es nun langsam Richtung Herbst geht, kann auch mal wieder Bordeaux ins Glas. Kürzlich konnte ich für einen guten Preis vier Flaschen 2009er Chateau Sociando-Mallet erstehen. Davon war heute die erste fällig. Die Weine des Gutes gelten als sehr langlebig. Für den "Proof of Concept" haben wir noch eine Flasche 1986er im Keller... 


2009 Chateau Sociando-Mallet 

Dunkles Rot mit leichten Reifenoten 
Intensiver Duft mit viel dunkler Frucht, vor allem Cassis, daneben Leder und etwas Herbstlaub sowie ein Touch Eukalyptus 
Auch am Gaumen dunkelfruchtig, sehr lebendig, wieder etwas Leder, noch deutlich spürbares Tannin, das einen leichten Zug zur Rustikalität hat 
Schöner Bordeaux in bester Trinkreife 

90-92, Reserven für 5+ Jahre 

Samstag, 29. August 2026

Ende gut, alles gut

Während eines Portugal-Urlaubs im Jahr 2015 tranken wir (unter anderem natürlich) einen 2013er Alvarinho des Palacia da Brejoeira aus der Region Vinho Verde. Ich fand den Wein sehr gut, konnte aber keine Bezugsquelle für Deutschland entdecken. Ich habe den Wein dann kurze Zeit später in einem Post über andere Alvarinho-Weine (guckstu hier) erwähnt, ansonsten aber vergessen. Vor ein paar Tagen bin ich dann zufällig auf diesen alten Post gestossen und habe aus Neugier mal gegugelt, ob der Wein jetzt in Deutschland erhältlich ist. Tatsächlich ist er das, aber bestellt habe ich dann (weil es trotz der Frachtkosten günstiger war) bei einem portugisischen Händler. Und so kam ich also dann nach mehr als 10 Jahren doch noch zu meinem Palacio da Brejoeira - und habe es nicht bereut. 



2025 Palacio da Brejoeira "Alvarinho" (der Jahrgang findet sich nur ganz klein auf dem Rückenetikett)

Recht helles Gelb 
Intensiver Duft mit nussigen Noten, daneben grüne Frucht, mit mehr Luft Melone 
Am Gaumen noch etwas unruhig, recht körperreich mit intensiver Aromatik, feiner Säure und recht langem Nachhall. 

89-91, mit der nächsten Flasche eher bis nächstes Jahr warten 

Samstag, 22. August 2026

Der Süßwein der Woche (20)

Dieses Mal gibt es eine etwas Mosel-lastige Ausgabe mit ein paar älteren Semestern. Den Anfang macht allerdings eine Auslese von der Nahe.  

 


2007 Dönnhoff Niederhäuser Hermannshöhle Riesling Auslese 

Reifes Goldgelb
Recht zurückhaltender reintöniger Duft mit gelber Frucht (Aprikose), Mango und Backgewürzen
Auch am Gaumen etwas verhalten, zunächst kommt der Süßeeindruck, dann kommt die Frucht stärker zum Vorschein. Recht langes Finale, in dem sich dann auch eine leichte Chili-Schärfe zeigt. 

89-91, wird sich noch einige Jahre auf dem Niveau halten, aber es gibt keinen Grund zu warten 


Danach zunächst eine 1976er Beerenauslese, die leider nicht mehr in trinkbarer Verfassung war und, quasi als Kompensation, eine sehr schöne 1995er Beerenauslese. 



1976 Leo Kappes Zeltinger Sonnenuhr Riesling Beerenauslese 

Dunkler Bernstein 
Im Duft zurückhaltend, etwas nasser Karton, Andeutungen von Nüssen und Trockenfrüchten 
Am Gaumen nur ganz wenig Süße, dafür aber eine heftige Bitternote und eine etwas vordergründige Säurewahrnehmung. Das macht so keinen Spaß. 

ohne Bewertung 

 

1995 Ernst Loosen Erdener Treppchen Riesling Beerenauslese

Kräftiges Rotbraun
Eher verhaltener, aber feiner Duft mit floralen Noten und etwas Dörrobst 
Am Gaumen süße Attacke, in der zweiten Welle nimmt die Säure der Süße aber die Spitze, viskose Textur, nicht sehr intensive aber klare Frucht (Richtung Trockenfrüchte), recht langes Finale 
Sehr schön gereifter Süßwein

91-93, dürfte noch das ein oder andere Jahr durchhalten 


Seit Anbeginn meiner Weinliebhaber-Karriere hatte der Lagenname "Berncasteler Doctor" für mich etwas Mystisches. Diese Auslese aus dem sehr warmen Jahr 2018 war sehr schön und kann möglicherweise mit mehr Reife noch zulegen. 



 

2018  Wwe. Dr. Thanisch Erben Thanisch Bernkasteler Doctor Riesling Auslese 

Kräfties Gelb mit Goldschimmer 
Im Duft eher zurückhaltend, aber recht komplex; gelbe Früchte mit exotischem Einschlag, Kandis, Sahne(?), mit mehr Luft Rauch
Sehr süßer Antrunk, gelbe Frucht, hintergründige Säure, recht langes, süßes Finale 

90-92, bis 2035+ 


Den Abschluß bildet der jüngste Wein dieser Ausgabe, eine großartige 2019er Spätlse von der Saar. 


 

 

2019 Hofgut Falkenstein Krettnacher Euchariusberg Riesling Spätlese #14 (Ternes)

Mittelgelb 
Sehr feiner, animierender Duft mit viel reifer gelber (auch exotischer) Frucht und dezent Backgewürzen 
Auch am Gaumen reife Gelbfrüchte, dazu eine sehr schöne Harmonie zwischen Süße und rasanter Säure, langes Finale. 
Hervorragende Spätlese mit grossem Trinkfluss und Zukunft.  

92-94, bis 2035+ 

Dienstag, 18. August 2026

Endlich wieder (Rot)Wein

Nach einem dreiwöchigen weinfreien Urlaub hatte ich heute Lust auf einen guten Tropfen. Und da heute erstens Pinot-Noir-Tag und zweitens das Wetter (endlich mal wieder) rotweintauglich ist, sollte es Spätburgunder sein. Meine Wahl fiel auf den "R" des (rheinhessischen) Weinguts Saalwächter aus dem (rheingauer) Assmannshäuser Höllenberg. Der "R" stammt aus dem besten Fass des Höllenbergs und ist entsprechend rar (300 Flaschen, soweit ich weiß) und auch selbstbewusst bepreist. 

 


2018 Saalwächter Assmannshäuser Höllenberg "R" 

Recht helles Rot 
Unmittelbar nach dem Öffnen strömt aus dem Glas ein feiner, delikater Duft mit vor allem roter Frcuht (Erdbeere und Himbeere, mit mehr Luft Kirsche), dahinter gewürzige Noten und etwas Menthol, das Ganze bei aller Intensität elegant und fast schwebend wirkend. Mit mehr Luft auch florale Noten (Rosenblätter?) 
Auch am Gaumen rotfruchtig mit prägnanter Säure. Wieder sehr elegant mit seidigem Tannin, mittellanger rotfruchtiger Abgang. 
Hält am Gaumen (noch?) nicht ganz, was die Nase verspricht. 

90-92+, mit der nächsten Flasche werde ich noch zwei bis drei Jahre warten  

Samstag, 18. Juli 2026

Mein Wein heißt Fritz oder Franz oder so

Kürzlich wurde mir ein Probierpaket mit drei Weinen von Franziska Herke angeboten. Da sich das interessant anhörte, habe ich ein Paket bestellt. Franziska Herke ist die Tochter (und, wie ich vermute, die designierte Nachfolgerin) von Joachim Herke in Oestrich. Ihre drei Weine werden als Rheingauer Landwein vermarktet. Es sind zwei Rieslinge und ein Müller-Thurgau, und alle drei Weine haben einen recht geringen Alkoholgehalt.  

 



2024 Franziska Herke Müller-Thurgau "Wald" 

Hellgelb 
Im Duft deutlich florale Noten (Lavendel, oder bilde ich mir das nur ein?), daneben aber auch eine an Birne und Melone erinnernde Frucht 
Am Gaumen eher leichtgewichtig, Aromatisch recht neutral wirkend, aber mit sehr schönem Mundgefühl. Trotz des für einen trockenen Wein (5 g/l) sehr niedrigen Alkoholgehalts von 10% fehlt dem Wein nichts. Er ist zugänglich und kommt mit milder Säure daher, nicht sehr komplex aber blitzsauber und sehr angenehm zu trinken. 

85-87, jung trinken 

 

2024 Franziska Herke Riesling "Hell" 

Hellgelb 
Animierender Duft nach knapp reifer gelber Frucht, etwas grünem Apfel und einer dezenten kräutrigen Komponente 
Am Gaumen dann recht schlank mit etwas zurückgenommener Frucht, wieder sehr animierend und frisch und mit längerem Nachhall als der Müller-Thurgau 
Schöner, knackiger und sehr straighter Riesling 

87-89, bis 2028  

 

2023 Franziska Herke Riesling "Franz" 

Hellgelb 
Im Duft rauchig, mineralische Prägung, dann gelbe Frucht 
Am Gaumen sehr gradlinig mit knackiger Säure neben der gelben Frucht. Im recht lange Abgang dann auch Zitrusnoten. Nur 10,5% Alkohol bei 5 g/l Restzucker. 
Spannender und wiederum sehr straighter Riesling. 

88-90, bis 2030+