Montag, 9. März 2026

Die wilde 13

Nach der durchaus erfreulichen Momentaufnahme des Jahrgangs 2014 (guckstu hier) vor zwei Wochen habe ich mir in den letzten Tagen den Jahrgang 2013 vorgenommen. Der gilt als der schlechteste des Jahrzehnts und würde wohl auch bei der Wahl zum schlechtesten Jahrgang des laufenden Jahrhunderts als Mitfavorit an den Start gehen. Dem entsprechend haben wir da auch keine grösseren Bestände im Keller, aber vier Weine fanden sich dann doch für die Bestandsaufnahme.

 


2013 Chateau Pavie Macquin 

Mittleres bis dunkles Rot mit ganz leichter Reifenote
Recht ausgeprägter Duft nach Kirsche, dezente Gewürzaromen, etwas Rauch.
Am Gaumen recht leichtgewichtig, wieder Kirschfrucht, etwas Pflaume, stützendes Tannin.
Das ist ein stimmiger, wenn auch nicht sehr komplexer Wein. 

88-90, bis 2030  


2013 Chateau Grand-Puy-Lacoste 

Mittleres bis dunkles Rot, fast ohne Reifenoten
Feiner, dunkelfruchtiger Duft, Cassis, würzige Noten und auch leichte Röstaromen
Am Gaumen eher leichtgewichtig, dunkelfruchtig, Kirsche, mit feinem Tannin
Hier gilt das gleiche wie für den Pavie Macquin: Ein schöner und stimmiger Wein, der aber in Bezug auf Komplexität und Länge deutlich hinter besseren Jahrgängen (für den hervorragenden 2014er guckstu noch einmal hier) zurückbleibt. 

ebenfalls 88-90, bis 2030 

 


2013 Domaine de Chevalier 

Recht dunkles Rot ohne Reifenoten
Im Duft viel dunkle Frucht (Brombeere, Heidelbeere), etwas Tabak(?) sowie mineralische Noten
Am Gaumen leicht- bis mittelgewichtig mit dunkler Frucht und samtigem, im Finale etwas trocknendem Tannin
Stilvoll und stimmig, aber (natürlich) auch hier ohne die Substanz besserer Jehrgänge. Neal Martin schrieb dazu 2016 im Wine Advocaze "one of the most pleasurable releases in 2013", und "pleasurable" ist eine sehr passende Beschreibung.

89-91, bis 2030 

 

2013 Chateau Leoville Poyferre 

Recht dunkles Rot ohne Reifenoten
Im Duft zunächst dunkle Frucht, Cassis, gepaart mit vanilligen Noten vom Holzausbau. Mit mehr Luft wirkt das etwas rotfruchtiger, Granatapfel(?)
Am Gaumen recht nachhaltig, ausgeprägte Röstaromen, dunkle Frucht (Heidelbeeren?), präsentes und etwas trocknendes Tannin und eine recht lebhafte Säure. Vergleichsweise lang.
Das ist der am kraftvollsten wirkende und für mich beste der vier Weine, und vermutlich auch der langlebigste

90-92, bis 2035


Fazit: Das Problem eines schwachen Jahrgangs wie 2013 ist nicht, dass er schlechte Weine hervorbringt. Alle vier Weine sind gut und mit Freude zu trinken. Das Problem ist vielmehr, dass das bessere der Feind des Guten ist. Obschon schwächere Jahrgänge zu deutlich niedrigeren Preisen gehandelt werden als als Top-Jahrgänge, sind sie letztlich immer noch zu teuer. Für die vier Weine haben wir zwischen 39 (Grand-Puy-Lacoste) und 49 (Leoville-Poyferre) Euro bezahlt. Für das Geld bekommt man Weine "kleinerer" Chateaux aus Top-Jahrgängen, die einfach mehr fürs Geld bieten.


Freitag, 6. März 2026

14^2

Ende Februar versammelte sich eine kleine Runde in der wineBANK Köln zu einer Probe mit 14 Bordeaux aus dem Jahrgang 2014. Dieser Jahrgang folgt auf den sehr mäßigen 2013er (den vielleicht schlechtesten Jahrgang des Jahrzehnts), und auch 2012 und 2011 waren keine Überflieger. Dem entsprechend wurden die 2014er zunächst gut aufgenommen, aber durch die nachfolgenden Jahrgänge 2015 und vor allem 2016 etwas in den Schatten gestellt. Im nunmehr zwölften Jahr nach der Ernte schien der Zeitpunkt gekommen, einen erneuten Blick auf den Jahrgang zu werfen. 

Dass die Runde klein war, ist zwar einerseits enttäuschend (man hätte sich doch mehr Interesse gewünscht), hatte aber auch einen grossen Vorteil. Es war (selbst bei den grossen Namen) genug Wein da, um am Ende der Probe noch einmal nachverkosten zu können. Einige Weine haben sich (obwohl alle Flaschen am Vormittag der Probe doppelt dekantiert worden waren) durch die zusätzliche Zeit und Luft vorteilhaft entwickelt.

Den Anfang machten drei Margaux, blind verkostet. Chateau Labegorce sehr fein, floral mit roter Frucht und guter Balance (91). Daneben Chateau Rauzan-Segla mit intensiv-floralem und sehr feinem Duft, sehr generös und mit vernehmlichen Röstnoten (93). Im dritten Glas Chateau Malescot St. Exupery, der beständig zulegte. Im Duft rotfruchtig und zunächst etwas rustikal. Das Rustikale verschwindet aber mit der Zeit und macht Platz für feine florale Noten, Kirsche. Röstnoten, etwas Teer und etwas gerösteter Paprika. Zu Beginn war ich bei (92), bei einer Nachverkostung am Ende der Probe eher einen bis zwei Punkte höher. Eine schöne Überraschung. 

Von Margaux nach Saint-Julien. Chateau Langoa Barton war eine Fruchtbombe mit viel Kirsche, Cassis, etwas likörig. Auch am Gaumen viel Frucht, generös, mit etwas alkoholoscher Wärme (92). Einige Mitverkoster nahmen eine Stallnote wahr und bewerteten den Wein schwächer, aber ich konnte diese Note beim besten Willen nicht wahrnehmen. Danach alle drei Leovilles, auch blind verkostet. Sehr fein und vielschichtig Chateau Leoville Poyferre. Viel rote Frucht und Kirsche und eine etherische Note im Duft, am Gaumen dann sehr fein, "transparent" und mit sehr feinem Tannin (94). Chateau Leoville Las Cases mit viel Frucht und Noten vom Holzausbau (Kokos?), Gewürzen und Paprika im Duft. Auch am Gaumen viel Frucht, Kräuternoten, viel Tannin (95). Chateau Leoville Barton auch mit viel eher kirschiger Frucht im Duft, am Gaumen neben der Frucht kräftiges (und vielleicht noch etwas hartes) Tannin (92+). Im Moment einen Tick hinter den Namensvettern, aber das kann sich mit der Zeit noch ändern.

Es ging mit einem Exoten weiter. Exot, weil das der einzige Wein vom "rechten Ufer" war. Chateau Pavie Macquin im Duft floral, Veilchen(?), am Gaumen Kirsche, viel weiches, die Zunge belegendes Tannin (90).

Zurück ans linke Ufer, nach Pessac-Leognan. Domaine de Chevalier mit dunkler Frucht, Kräutern und (mit mehr Luft) auch Kirsche im Duft. Am Gaumen eher "weich" wirkend, mit einem leichten Süßeeindruck, wieder Kräuter (91). Daneben anders, aber auf ähnlichem Niveau, Chateau Haut-Bailly mit sehr feinem, wieder kirschfruchtigem Duft. Am Gaumen "sehr Cabernet" mit Paprika neben der Frucht, viel und auch (noch?) etwas hartes Tannin (91). 

Auch aus Saint-Estèphe gab es zwei Weine. Chateau Meyney mit schönem, sehr dunkelfruchtigem Duft. Auch am Gaumen dunklefruchtig mit schöner Reife und noch deutlich spürbarem Tannin (91). Das ist zwar durchaus Cru Classé-Niveau, aber doch ein Stück hinter Chateau Calon Segur. Intensiver, sehr fruchtiger Duft, vielschichtig mit dunkler Frucht und Pumpernickel. Auch am Gaumen dunkelfruchtig mit sehr feinem Tannin (94). 

Den Abschluß machte Pauillac. Hervorragend Chateau Grand-Puy-Lacoste mit sehr schönem Duft, Paprika und pflaumige Frucht. Am Gaumen perfekte Reife, etwas Paprika, superfeines Tannin (94). Und schließlich Chateau Pontet Canet. Sehr intensiver Duft, Schlehe, rote Frucht (Erdbeere!). Auch am Gaumen viel rote Frucht (Erdbeere und Himbeere), daneben Pflaume, kreidige Mineralik (95). Ein toller Wein, aber kein typischer Pauillac. Ich habe keine Ahnung, wo ich den blind hingesteckt habe. Die Erdbeernoten weckten sogar Assoziationen an Grenache.

Fazit: 2014 ist ein guter, aber kein grosser Jahrgang. Einige Weine sind am Beginn der Trinkreife, andere brauchen noch etwas mehr Zeit. Ganz vorne Leoville Las Cases, dem ich den Vorzug vor dem für mich untypischen Pontet Canet geben würde. Nur knapp hinteer den beiden Leoville Poyferre, Calon Segur, Grand Puy Lacoste und der (für mich etwas überraschend) sehr schöne Malescot St. Exupery. .


Mittwoch, 25. Februar 2026

Der Schatz im Silberberg - reloaded

Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich den 2018er Ahrweiler Silberberg von Meyer-Näkel im Glas gehabt (guckstu hier). Heute war ein 2019er Silberberg an der Reihe, allerdings nicht von Meyer-Näkel, sondern vom Weingut Kreuzberg - aber genauso schön.


2019 Kreuzberg Ahrweiler Silberberg Spätburgunder GG 

Mittleres Rot
Ausgeprgter und typischer Duft mit ausgeprägten Fruchtnoten und etwas Schokolade sowie Gewürzen
Am Gaumen dezent rauchig, ausgeprägte, eher rote Frucht, feine Säure und gut dosiertes, feinkörniges Tannin. Sehr schöner, Herkunft zeigender Spätburgunder ohne jeden Kitsch. 

90-92, bis 2030

Mittwoch, 18. Februar 2026

Entscheidungshilfe

Vor einigen Tagen habe ich bei einem Händler 2019er Chateau Sociando-Mallet zu einem wirklich sehr guten Preis entdeckt und überlege, ein paar Flaschen zu kaufen. Einerseits habe ich mit dem Chateau gute Erfahrungen gemacht, andererseits ist der Keller voll, und mit 2019er Bordeaux sind wir mehr als ausreichend versorgt. 

Nun begab es sich, dass ich heute im Keller (wirklich zufällig) über die beiden letzten Flaschen 2000er Sociando-Mallet gestolpert bin. Als "Entscheidungshilfe" wurde eine davon entkorkt.


 

2000 Chateau Sociando-Mallet

Mittleres Rot mit Reifenoten
Recht ausgeprägter Duft nach dunklen Früchten, Zedernholz, Paprika und (nur unmittelbar nach dem Öffnen) auch einem Hauch Pferdestall. Mit mehr Luft und etwas höherer Temperatur wird die Frucht etwas dominanter und es zeigt sich eine leicht minzige Note Das ist sehr typisch und sehr Cabernet Sauvignon (und ja, ich weiß, dass der Cabernet-Anteil bei Sociando-Mallet tatsächlich gar nicht sehr hoch ist)
Am Gaumen mittelgewichtig, wieder sehr Cabernet mit etwas Paprika neben der dunklen Frucht, noch durchaus präsentem Tannin und recht langem Finale
Das ist ein schöner, sehr typischer und etwas kantiger "linksufriger" Bordeaux, in dem noch eine Menge Leben steckt. Mir gefällt das sehr. 

91-93, jetzt in bester Trinkreife, die er noch einige Jahre halten dürfte 


Es ist ganz interessant, sich Bewertungen für den 2000er Sociando-Maller anzuschauen. Die gehen nämlich (selbst dann, wenn man sich Bewertungen aus dem gleichen Jahr anschaut) ziemlich weit auseinander. Teilweise wird der Wein wegen grüner und krautiger ("herbaceous") Noten schlecht beurteilt. Andere Verkoster erwähnen diese grünen Noten gar nicht, sondern sprechen eher von Frucht, Dichte und Länge. Die Verdikte reichen von "disappointing showing" (Neal Martin, 2010) über "a beautiful wine and certainly one of the great sleepers of the vintage" (Robert Parker, 2010) bis "a gloriously successful vintage for Sociando-Mallet" (Stephen Tanzer 2003). 

Ich kann den Verweis auf grüne Noten ein Stück weit nachvollziehen, denn die Paprikanoten erinnern durchaus an Bordeaux aus Jahren mit eher knapper Reife. Mich stören sie aber nicht, weil sie zusammen mit der Frucht ein für mich stimmiges Gesamtpaket ergeben.


Mittwoch, 11. Februar 2026

Mischen possible

Zu diesem Wein bin ich gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Ich hatte online ein paar Flaschen Rioja bestellt. Der bestellte Jahrgang war aber vergriffen, und der Händler bot mir dafür einen anderen Jahrgang und zusätzlich diese Flasche als Zugabe an. Der Wein ist dem Etikett nach eine Sonderabfüllung für den Händler. Er stammt aus der Region Carinena und ist eine Cuvée aus drei Rebsorten, die ich in dieser Zusammensetzung noch nie gesehen und auch nie erwartet hätte: Cabernet Sauvignon, Garnacha (Grenache) und Tempranillo.





2019 Bodegas Panizas Carinena D.O. "Terra de Govo" 

Mittleres Rot, zum Rand hin etwas Orange
Im Duft nicht sehr intensiv, eher rote als dunkle Früchte, eine leicht rosinige Note, Kräuter. Wenn man es weiss, kann man die Grenache erkennen (auf Cabernet und Tempranillo wäre ich sicher nicht gekommen)
Am Gaumen würzig, zurückhaltendes Tannin, dabei eher verhaltenes Geschmacksprofil und nicht sehr lang. 

85-87, würde ich in den nächsten zwei bis drei Jahren trinken

Sonntag, 18. Januar 2026

Der Süßwein der Woche (17)

Die letzte "Süßwein-Runde" aus 2025 (mit etwas Verspätung gepostet) mit einer sehr schönen 2021er Rieslaner Auslese, einem Oldie aus dem Jahr 1990 und zwei Weinen aus dem Jahrgang 2018 (den ich ab Februar etwas genauer unter die Lupe nehmen möchte). 



2021 Keller Rieslaner Auslese 

Kräftiges Gelb mit Goldschimmer
Zurückhaltender, aber feiner Duft nach exotischen Früchten (Maracuja, Papaya?)
Am Gaumen viel exotische Frucht, vor allem Maracuja. Dabei sehr präzise mit sehr guter Süße-Säure-Balance, fast zart wirkend und trotzdem mit recht langem, wieder exotisch-fruchtigem Finale
Eine ganz hervorragende Auslese - man mag das Glas kaum absetzen 

91-93, bis 2040 

 


1990 Schloß Schönborn Erbacher Marcobrunn Riesling Spätlese 

Dunkles Goldgelb mit rötlichem Schimmer
Im Duft zunächst noch erstaunlich viel Frucht; neben Aprikose und Pfirsisch auch Quitte. Mit zunehmendem Luftkontakt bricht die Frucht allerdings weg
Am Gaumen mit spürbarer Süße, daneben wieder gelbe Frucht, Andeutung von Firne und mit einer ganz leichten Bitternote (vielleicht wegen des mit 11% für eine restsüße Spätlese recht hohen Alkoholgehalts?), endet recht lang auf gelben Fruchtnoten  Der Wein ist noch erstaunlich gut beieinander, sollte nun aber bald getrunken werden. 

85-87, austrinken  



2018 Dönnhoff Niederhäuser Hermannshöhle Riesling Spätlese 

Kräftiges Mittelgelb
Im Duft eher verhalten, gemischte Früchte, etwas süßer Apfel
Am Gaumen süße Frucht, etwas Backgewürze, passende Säure, die den Wein in gute Balance bringt, recht langer, süßfruchtiger Abgang 

89-91, bis 2035 


2018 Dönnhoff Oberhäuser Brücke Riesling Auslese 

Mittelgelb
Zunächst eher verhaltgener Duft nach gemischten Früchten. Ich kann da kaum einzelne Aromen identifizieren, und das erinnert mich an 2003
Auch am Gaumen wieder gemischte Frucht, ausgeprägte, aber unaufdringliche Süße, im Finale Andeutung roter Frucht 

89-91, bis 2035+

Sonntag, 14. Dezember 2025

Mit fünf Jahren Verspätung

Bei der Subskriptionskampagne für den Jahrgang 2019 während der Corona-Pandemie hatte ich überlegt, diesen Wein zu subskribieren, habe es dann aber doch gelassen. Vorigen Monat flatterte mir dann das Angebot eines Händlers in den virtuellen Briefkasten, der den Wein zu einem Preis anbot, der nur wenig über dem seinerzeitigen Subskriptionspreis lag (und der Jahrgang 2019 war wegen der damaligen Umstände und angesichts seiner Qualität preislich attraktiv). Da bin ich dann doch schwach geworden und habe, quasi mit 5 Jahren Verspätung, ein paar Flaschen geordert.



2019 Chateau du Domaine de l'Eglise 

Sehr dunkles Rot ohne Reifenoten
Der Duft springt einen direkt an: intensiv, mit viel reifer dunkler und auch roter (Himbeere) Frucht, heller Tabak, unmittelbar nach dem Öffnen auch etwas Blut
Auch am Gaumen ist da sehr viel Frucht, eingebettet in weiches Tannin, das sich erst im Finale richtig bemerkbar macht. Der hohe Alkohol (15% laut Etikett) ist im Finale spürbar.
Das ist ein guter, etwas "plüschiger" Wein, der (nicht zuletzt wegen des hohen Alkohols) zum Essen serviert werden sollte - "solo" macht er schnell satt. 

90-92, ob der Wein sich noch verbessern wird, vermag ich nicht zu sagen. Aber er hat auf jeden Fall noch viele Jahre vor sich