Es ist gute Tradition geworden, einmal im Jahr eine "10 years after" Probe mit ausgewählten Rieslingen zu veranstalten. Diesmal standen 20 Weine des Jahrgangs 2016 auf dem Probentisch, sortiert in 2er-Flights, wobei (mit einer Ausnahme) beide Weine jeweils aus dem gleichen Anbaugebiet kamen.
Als Einstieg und quasi als "Eichwein" gab es einen Ortswein von Wagner-Stempel.
2016 Wagner-Stempel Riesling Siefersheim "vom Porphyr"
Intensiver Zitrus-Steinobst-Duft.
Lebendig, resche Säure, schöne Reife
88
Das ging also schon mal gut los. Danach kam zweimal die Mosel (bzw. einmal die Saar und einmal die Ruwer) an die Reihe. Nominell beides Grosse Gewächse, es hätte also (noch) besser werden sollen...
2016 Maximin Grünhäuser Abtsberg Riesling GG
Reife Gelbfruchtnoten, etwas Karamell
Am Gaumen sehr reif wirkend
87
2016 Van Volxem Scharzhofberger "P" Riesling GG
Im Duft eher leise, feinfruchtig
Am Gaumen etwas stumpf, reif
86
Das war also eher enttäuschend, auch anegsichts der guten "Profi-Bewertungen" dieser beiden Weine. Also weiter, als nächstes an die Nahe.
2016 Schäfer-Fröhlich Bockenauer Felseneck Riesling GG
Im Duft "wild", etwas floral, helle Frucht
Auch am Gaumen wild wirkend. Einmal mehr ein Schäfer-Fröhlich, der mich nicht abholt...
2016 Emrich-Schönleber Monzinger Halenberg Riesling GG
Sehr feiner Duft, mineralisch, schöne Frucht, reif
Am Gaumen steinig mit hier eher dezenter Frucht
92
2016 Dönnhoff Niederhäuser Hermannshöhle Riesling GG
Kräftiger Duft, gelbe Frucht, Apfel, sehr reif wirkend
Am Gaumen verhaltene Frucht, etwas stumpf
87
2016 Jakob Schneider Niederhäuser Hermannshöhle Riesling "Magnus"
Sehr schöner, fruchtbetonter Duft, Banane(?)
Schöner Frucht, ein großer Spaß (aber mit Anspruch)
92
Da war es wieder, mein Problem mit den Rieslingen von Schäfer-Fröhlich. Dönnhoffs Hermannshöhle war eine Enttäuschung. Ich hoffe sehr, dass das ein Flaschenfehler war und muss den Wein dringend nachprobieren. Der Magnus war (einmal mehr) exzellent, auch und gerade angesichts seines moderaten Preises. Der Halenberg war auch sehr gut, aber da gibt es bessere Jahrgänge. Insgesamt also die Nahe durchwachsen. Als nächstes Rheingau.
2016 Robert Weil Kiedricher Gräfenberg Riesling GG
Recht reif im Duft
Auch am Gaumen reif, Karamell
90
2016 P.J. Kühn Mittelheimer Sankt Nikolaus Riesling GG
Im Duft intensiv, kräutrig, etwas Kamille
Am Gaumen wieder kräutrig, recht "weich", schön
92
Von Weils Gräfenberg hatte ich mir mehr versprochen. Kühns Nikolaus gefiel mir sehr gut, ganz im Stil des Hauses.
Als nächstes kam Rheinhessen an die Reihe, mit gleich sechs Weinen in drei Flights.
2016 Seehof Westhofener Morstein Riesling Alte Reben
Sehr feiner Duft, schöne Frucht (breit gefächert mit Zitrus und auch rotfruchtigen Nuancen), daneben etwas Minze
Am Gaumen schöne Frucht, hervorragend gereift und mit schöner Säure
95
2016 Wittmann Westhofener Morstein Riesling GG
Intensiver Duft mit toller Frucht, mineralisch
Am Gaumen viel Zug, Säure, Potential
94+
2016 Keller Westhofener Brunnenhäuschen AbtsE Riesling GG
Im Duft "dicht", gelbe und etwas rote Frucht
Noch verschlossen mit viel Säure, enormes Potential
95+
2016 Keller Riesling von der Fels
Feiner reifer Duft, mineralisch unterlegt
Am Gaumen kräftige Säure, frisch, sehr schön, auch wenn der Wein (vor allem im direkten Vergleich mit der AbtsE) nicht sehr komplex ist
92
2016 Gunderloch Nackenheimer Rothenberg Riesling GG
Schöner, kräftiger und eher kräutriger Duft
Auch am Gaumen kräutrig mit viel Säure und Grip, salzig
92
2016 Kühling-Gillot Niersteiner Pettenthal Riesling GG
Im Duft dezente Kräuternoten
Am Gaumen eher rotfruchtig, schöne Säure, es fehlt ein klein wenig Komplexität
92
Eine tolle Serie ohne Schwächen. Kellers von der Fels stellt einmal mehr unter Beweis, dass der Wein erstens sehr gut reifen kann und zweitens mit GGs durchaus mithalten kann. Die AbtsE ist ein grosser Wein, braucht aber wohl noch etwas mehr Zeit. Das gilt wohl auch für den Morstein; auch da könnte noch etwas mehr kommen. Gunderlochs Rothenberg und Kühling-Gillots Pettenthal sind sehr gute Weine. Der Showstopper aber war der Morstein Alte Reben vom Seehof. Was erlaubt sich dieser Wein? In diesem Feld hätte er sich eigentlich ganz still hinten anstellen müssen. Statt dessen stiehlt er die Show. Ganz toller Wein, und zwar von der Sorte, die richtig Spaß machen.
Nach diesen sechs Weinen ging es weiter in die Pfalz. Von dort gab es zunächst einen Flight mit zwei Weinen.
2016 Reichsrat von Buhl Forster Pechstein Riesling GG
Im Duft reife Frucht, mürber Apfel
Recht kraftvoll, reif
86
2016 Christmann Königsbacher Idig Riesling GG
Im Duft sehr reif, fast schon Sherrynoten Am Gaumen oxidative Noten
86
Rheinhessen hatte die Latte sehr hoch gelegt, aber die beiden Pfälzer konnten da bequem drunter durchlaufen. Das war mal gar nichts. Auch hier sollte man vielleicht nachprobieren und auf Flaschenfehler hoffen, wenn man von den Weinen mehr im Keller hat...
Im letzten Flight war dann ein dritter Pfälzer, der Saumagen von Rings, mit einem Wachauer Riesling von Prager gepaart worden
2016 Rings Kallstadter Saumagen Riesling GG
Schöner, etwas medizinaler Duft, minzig, gewinnt mit Luft
Auch schon sehr reif am Gaumen, aber lebendig, salzig, gewinnt mit Luft an Komplexität
91
2016 Prager Riesling Smaragd Wachstum Bodenstein
Intensiv gelbfruchtiger Duft, Pfirsisch
Am Gaumen sehr schön, viel reife Frucht
93
Rings rettet hier die Ehre der Pfalz. Der Wein wird mit mehr Luft besser und hat bei dieser Probe vielleicht etwas zu wenig Zeit bekommen. Pragers Wachstum Bodenstein katapultiert sich mit viel Frucht in die Spitzengruppe der gesamten Probe.
Etwas Süßes zum Dessert gab es auch noch. Die exzellente Verfassung der Spätlese aus der Hermannshöhle bestärkt mich in der Hoffnung, dass beim GG ein Flaschenfehler vorlag.
2016 Dönnhoff Niederhäuser Hermannshöhle Riesling Spätlese
Im Duft vornehm-zurückhaltend, mineralisch
Am Gaumen sehr schöne Frucht und Balance, deutliche Mineralik
93
Insgesamt war das, trotz einer Reihe sehr guter bis grosser Weine, eine insgesamt eher durchwachsene Vostellung - es gab einfach zu viele Weine, die (teils deutlich) unter den Erwartungen blieben.









