Donnerstag, 8. Oktober 2026

Riesling 2016: Rheinhessen rules

Es ist gute Tradition geworden, einmal im Jahr eine "10 years after" Probe mit ausgewählten Rieslingen zu veranstalten. Diesmal standen 20 Weine des Jahrgangs 2016 auf dem Probentisch, sortiert in 2er-Flights, wobei (mit einer Ausnahme) beide Weine jeweils aus dem gleichen Anbaugebiet kamen. 

 

Als Einstieg und quasi als "Eichwein" gab es einen Ortswein von Wagner-Stempel. 

2016 Wagner-Stempel Riesling Siefersheim "vom Porphyr"  

Intensiver Zitrus-Steinobst-Duft. 
Lebendig, resche Säure, schöne Reife

88

 

Das ging also schon mal gut los. Danach kam zweimal die Mosel (bzw. einmal die Saar und einmal die Ruwer) an die Reihe. Nominell beides Grosse Gewächse, es hätte also (noch) besser werden sollen... 

 

2016 Maximin Grünhäuser Abtsberg Riesling GG

Reife Gelbfruchtnoten, etwas Karamell 
Am Gaumen sehr reif wirkend 

87

 

2016 Van Volxem Scharzhofberger "P" Riesling GG 

Im Duft eher leise, feinfruchtig 
Am Gaumen etwas stumpf, reif 
86

 

Das war also eher enttäuschend, auch anegsichts der guten "Profi-Bewertungen" dieser beiden Weine. Also weiter, als nächstes an die Nahe. 


2016 Schäfer-Fröhlich Bockenauer Felseneck Riesling GG

Im Duft "wild", etwas floral, helle Frucht 
Auch am Gaumen wild wirkend. Einmal mehr ein Schäfer-Fröhlich, der mich nicht abholt... 

 

2016 Emrich-Schönleber Monzinger Halenberg Riesling GG

Sehr feiner Duft, mineralisch, schöne Frucht, reif 
Am Gaumen steinig mit hier eher dezenter Frucht

92

 

2016 Dönnhoff  Niederhäuser Hermannshöhle Riesling GG

Kräftiger Duft, gelbe Frucht, Apfel, sehr reif wirkend 
Am Gaumen verhaltene Frucht, etwas stumpf

87 


2016 Jakob Schneider Niederhäuser Hermannshöhle Riesling "Magnus" 

Sehr schöner, fruchtbetonter Duft, Banane(?) 
Schöner Frucht, ein großer Spaß (aber mit Anspruch) 

92


Da war es wieder, mein Problem mit den Rieslingen von Schäfer-Fröhlich. Dönnhoffs Hermannshöhle war eine Enttäuschung. Ich hoffe sehr, dass das ein Flaschenfehler war und muss den Wein dringend nachprobieren. Der Magnus war (einmal mehr) exzellent, auch und gerade angesichts seines moderaten Preises. Der Halenberg war auch sehr gut, aber da gibt es bessere Jahrgänge. Insgesamt also die Nahe durchwachsen. Als nächstes Rheingau. 


2016 Robert Weil Kiedricher Gräfenberg Riesling GG

Recht reif im Duft 
Auch am Gaumen reif, Karamell  

90

 

2016 P.J. Kühn Mittelheimer Sankt Nikolaus Riesling GG

Im Duft intensiv, kräutrig, etwas Kamille 
Am Gaumen wieder kräutrig, recht "weich", schön

92


Von Weils Gräfenberg hatte ich mir mehr versprochen. Kühns Nikolaus gefiel mir sehr gut, ganz im Stil des Hauses. 

Als nächstes kam Rheinhessen an die Reihe, mit gleich sechs Weinen in drei Flights.  


2016 Seehof Westhofener Morstein Riesling Alte Reben  

Sehr feiner Duft, schöne Frucht (breit gefächert mit Zitrus und auch rotfruchtigen Nuancen), daneben etwas Minze 
Am Gaumen schöne Frucht, hervorragend gereift und mit schöner Säure 

95

  

2016 Wittmann Westhofener Morstein Riesling GG

Intensiver Duft mit toller Frucht, mineralisch 
Am Gaumen viel Zug, Säure, Potential 

94+

  

2016 Keller Westhofener Brunnenhäuschen AbtsE Riesling GG

Im Duft "dicht", gelbe und etwas rote Frucht 
Noch verschlossen mit viel Säure, enormes Potential 

95+

 

2016 Keller Riesling von der Fels

Feiner reifer Duft, mineralisch unterlegt 
Am Gaumen kräftige Säure, frisch, sehr schön, auch wenn der Wein (vor allem im direkten Vergleich mit der AbtsE) nicht sehr komplex ist 

92

 

2016 Gunderloch Nackenheimer Rothenberg Riesling GG

Schöner, kräftiger und eher kräutriger Duft 
Auch am Gaumen kräutrig mit viel Säure und Grip, salzig 

92 

 

2016 Kühling-Gillot Niersteiner Pettenthal Riesling GG

Im Duft dezente Kräuternoten 
Am Gaumen eher rotfruchtig, schöne Säure, es fehlt ein klein wenig Komplexität

92


Eine tolle Serie ohne Schwächen. Kellers von der Fels stellt einmal mehr unter Beweis, dass der Wein erstens sehr gut reifen kann und zweitens mit GGs durchaus mithalten kann. Die AbtsE ist ein grosser Wein, braucht aber wohl noch etwas mehr Zeit. Das gilt wohl auch für den Morstein; auch da könnte noch etwas mehr kommen. Gunderlochs Rothenberg und Kühling-Gillots Pettenthal sind sehr gute Weine. Der Showstopper aber war der Morstein Alte Reben vom Seehof. Was erlaubt sich dieser Wein? In diesem Feld hätte er sich eigentlich ganz still hinten anstellen müssen. Statt dessen stiehlt er die Show. Ganz toller Wein, und zwar von der Sorte, die richtig Spaß machen. 

Nach diesen sechs Weinen ging es weiter in die Pfalz. Von dort gab es zunächst einen Flight mit zwei Weinen. 


2016 Reichsrat von Buhl Forster Pechstein Riesling GG

Im Duft reife Frucht, mürber Apfel 
Recht kraftvoll, reif 

86 


2016 Christmann Königsbacher Idig Riesling GG

Im Duft sehr reif, fast schon Sherrynoten Am Gaumen oxidative Noten 

86


Rheinhessen hatte die Latte sehr hoch gelegt, aber die beiden Pfälzer konnten da bequem drunter durchlaufen. Das war mal gar nichts. Auch hier sollte man vielleicht nachprobieren und auf Flaschenfehler hoffen, wenn man von den Weinen mehr im Keller hat... 

Im letzten Flight war dann ein dritter Pfälzer, der Saumagen von Rings, mit einem Wachauer Riesling von Prager gepaart worden  


2016 Rings Kallstadter Saumagen Riesling GG

Schöner, etwas medizinaler Duft, minzig, gewinnt mit Luft 
Auch schon sehr reif am Gaumen, aber lebendig, salzig, gewinnt mit Luft an Komplexität 

91 

 

2016 Prager Riesling Smaragd Wachstum Bodenstein 

Intensiv gelbfruchtiger Duft, Pfirsisch
Am Gaumen sehr schön, viel reife Frucht 

93 


Rings rettet hier die Ehre der Pfalz. Der Wein wird mit mehr Luft besser und hat bei dieser Probe vielleicht etwas zu wenig Zeit bekommen. Pragers Wachstum Bodenstein katapultiert sich mit viel Frucht in die Spitzengruppe der gesamten Probe. 

 

Etwas Süßes zum Dessert gab es auch noch. Die exzellente Verfassung der Spätlese aus der Hermannshöhle bestärkt mich in der Hoffnung, dass beim GG ein Flaschenfehler vorlag. 


2016 Dönnhoff Niederhäuser Hermannshöhle Riesling Spätlese 

Im Duft vornehm-zurückhaltend, mineralisch 
Am Gaumen sehr schöne Frucht und Balance, deutliche Mineralik 

93 

 

Insgesamt war das, trotz einer Reihe sehr guter bis grosser Weine, eine insgesamt eher durchwachsene Vostellung - es gab einfach zu viele Weine, die (teils deutlich) unter den Erwartungen blieben. 

1 Kommentar:

  1. Mir sind das zu viele "Flaschenfehler " als Antwort, wenn der Wein nicht passt.

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