Ich habe gerade eine wunderbare 2023er Spätlese vom Karthäuserhof im Glas . Die haben wir gekauft, nachdem wir im März auf dem Gut zu Besuch waren und einen großartigen Tag samt ausführlicher Weinbergswanderung (mit kleiner "Unterwegsverkostung") und einer anschliessenden grösseren Verkostung verbracht haben. Die dabei entstandenen Notizen kann ich jetzt, mit dem passenden Wein im Glas, endlich mal aufarbeiten.
Nachdem die Produktion mittlerweile in einen nahegelegenen Neubau (den wir ebenfalls besichtigen durften) umgezogen ist, wird derzeit das historische Anwesen von Grund auf renoviert. Ich denke es ist keine Übetreibung zu prognostizieren, dass das eines der schönsten Weingüter in Deutschland wird.
Der "Bruno"-Wohnturm wurde bereits aufwendig restauriert-
Die "Wanderprobe"
Los ging es mit Sekt, dem Karthäuserhof brut: Gelbfruchtig sowohl im Duft als auch am Gaumen, schöne Reife, feine Perlage (88). Der Bruno Riesling trocken 2023 ist rauchig mit gelber Frucht, sehr typisch und mit etwas rustikaler Säure (86). Der Bruno Rosé 2025 duftet recht kräftig nach roten und gelben Früchten, am Gaumen gefällig, eher rotfruchtig und mit leichtem Zuckerschwanz (84-85).
Die Weine der "Hauptprobe"
Der 2023er Riesling Schieferkristall gefällt mir ausgesprochen gut. Im Duft schiefermineralisch mit gelber Frucht, am Gaumen feinfruchtig, sehr ausgewogen, das macht Spaß (88). Da kommt der Schieferkristall 2022 nicht ganz mit, reife Gelbfrucht im Duft und am Gaumen, aber es geht ihm etwas die Lebendigkeit des 2023ers ab (86). Daher also zurück zu 2023 mit dem Riesling Alte Reben. Der hat etwas Holz gesehen, was man ihm auch anmerkt. Sehr schöner, kräftiger, gelbfruchtiger Duft, daneben etwas Vanille(?) vom Holzausbau, stoffig mit Substanz und wieder gelber Frucht, lebhafte Säure. Schöner Wein, aber ich weiß nicht, ob er mit mehr Spaß macht als der Schieferkristall (88). Das Große Gewächs aus 2023 setzt da nochmal ordentlich etwas drauf: Sehr schöner, kräftiger und wieder gelbfruchtiger Duft, viel Substanz, dezente Holznote (kommt mir zurückhaltender vor als bei den Alten Reben), frisch und sehr nachhaltig (92). Dann, als letzter trockener Wein eine echte Rarität: Die Riesling Auslese trocken "S" aus 1997. Im Duft einereits eine leichte Firne, andererseits noch ausgeprägte Frucht (Aprikose und Pfirsisch), am Gaumen dann schwarzer Tee, reife Frucht, Kräuternoten und eine noch sehr lebendige Säure, lang. Ein ganz faszinierender Wein (94).
Zum Abschluß gab es dann einige restsüße Weine. der 2022er Riesling Kabinett hat zwar eine schöne, eher "grüne" Frucht, wirkt aber auf mich etwas spannungsarm (84). Das kann man von der 2023er Spätlese beim besten Willen nicht behaupten. Schöner und intensiver Duft, viel gelbe Frucht, aber auch Stachelbeere. Sehr schön, sehr präzise, sehr frisch. Tolle Spätlese (91). Zum Abschluß dann die 2004er Riesling Auslese "55". Das hätte ein wirklich großer Wein sein können, wenn da nicht ein leichter Muffton gewesen wäre, der leider auch nach längerer Zeit im Glas nicht verschwand. Daneben sehr schöne, fein ausdifferenzierte Frucht, am Gaumen eher schlanker Bau, sehr fein. Ohne den Muffton wäre ich vielleicht im Bereich 94-95 gelandet, den Wein mit Muffton mag ich nicht bewerten. Sehr schade.



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