Nach der durchaus erfreulichen Momentaufnahme des Jahrgangs 2014 (guckstu hier) vor zwei Wochen habe ich mir in den letzten Tagen den Jahrgang 2013 vorgenommen. Der gilt als der schlechteste des Jahrzehnts und würde wohl auch bei der Wahl zum schlechtesten Jahrgang des laufenden Jahrhunderts als Mitfavorit an den Start gehen. Dem entsprechend haben wir da auch keine grösseren Bestände im Keller, aber vier Weine fanden sich dann doch für die Bestandsaufnahme.
2013 Chateau Pavie Macquin
Mittleres bis dunkles Rot mit ganz leichter Reifenote
Recht ausgeprägter Duft nach Kirsche, dezente Gewürzaromen, etwas Rauch.
Am Gaumen recht leichtgewichtig, wieder Kirschfrucht, etwas Pflaume, stützendes Tannin.
Das ist ein stimmiger, wenn auch nicht sehr komplexer Wein.
88-90, bis 2030
2013 Chateau Grand-Puy-Lacoste
Mittleres bis dunkles Rot, fast ohne Reifenoten
Feiner, dunkelfruchtiger Duft, Cassis, würzige Noten und auch leichte Röstaromen
Am Gaumen eher leichtgewichtig, dunkelfruchtig, Kirsche, mit feinem Tannin
Hier gilt das gleiche wie für den Pavie Macquin: Ein schöner und stimmiger Wein, der aber in Bezug auf Komplexität und Länge deutlich hinter besseren Jahrgängen (für den hervorragenden 2014er guckstu noch einmal hier) zurückbleibt.
ebenfalls 88-90, bis 2030
2013 Domaine de Chevalier
Recht dunkles Rot ohne Reifenoten
Im Duft viel dunkle Frucht (Brombeere, Heidelbeere), etwas Tabak(?) sowie mineralische Noten
Am Gaumen leicht- bis mittelgewichtig mit dunkler Frucht und samtigem, im Finale etwas trocknendem Tannin
Stilvoll und stimmig, aber (natürlich) auch hier ohne die Substanz besserer Jehrgänge. Neal Martin schrieb dazu 2016 im Wine Advocaze "one of the most pleasurable releases in 2013", und "pleasurable" ist eine sehr passende Beschreibung.
89-91, bis 2030
2013 Chateau Leoville Poyferre
Recht dunkles Rot ohne Reifenoten
Im Duft zunächst dunkle Frucht, Cassis, gepaart mit vanilligen Noten vom Holzausbau. Mit mehr Luft wirkt das etwas rotfruchtiger, Granatapfel(?)
Am Gaumen recht nachhaltig, ausgeprägte Röstaromen, dunkle Frucht (Heidelbeeren?), präsentes und etwas trocknendes Tannin und eine recht lebhafte Säure. Vergleichsweise lang.
Das ist der am kraftvollsten wirkende und für mich beste der vier Weine, und vermutlich auch der langlebigste
90-92, bis 2035
Fazit: Das Problem eines schwachen Jahrgangs wie 2013 ist nicht, dass er schlechte Weine hervorbringt. Alle vier Weine sind gut und mit Freude zu trinken. Das Problem ist vielmehr, dass das bessere der Feind des Guten ist. Obschon schwächere Jahrgänge zu deutlich niedrigeren Preisen gehandelt werden als als Top-Jahrgänge, sind sie letztlich immer noch zu teuer. Für die vier Weine haben wir zwischen 39 (Grand-Puy-Lacoste) und 49 (Leoville-Poyferre) Euro bezahlt. Für das Geld bekommt man Weine "kleinerer" Chateaux aus Top-Jahrgängen, die einfach mehr fürs Geld bieten.


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