Montag, 11. Mai 2026

Der Süßwein der Woche (19)

Diesmal gab es fünf Rieslinge aus vier deutschen Anbaugebieten, alle aus halben Flaschen. Den Anfang machte ein Auslese von Robert Weil, die dieses Jahr ihren 30. Geburtstag feiert.


1996 Robert Weil Kiedricher Gräfenberg Riesling Auslese (aus halber Flasche) 

Rotbraun
Im Duft zunächst verhalten, Trockenpflaume, Früchtebrot, Nüsse
Am Gaumen vital wirkend mit ausgeprägter Süße, die aber in der prägnanten Säure einen adäquaten Gegenpart hat. Wieder Trockenfrüchte und Nüsse. Langes Finale.
Toll gereifte Auslese, die trotz ihrer ausgeprägten Süße sehr trinkanimierend ist. 

92-94, dürfte noch einige Jahre vor sich haben 



Vom ältesten Wein dieser Ausgabe ging es dann zum jüngsten Wein, einer 2015er Auslese aus dem Westhofener Morstein.

2015 Keller Westhofener Morstein Riesling Auslese (aus halber Flasche)

Goldgelb
Sauberer Duft nach gelben Steinfrüchten (Aprikose) und etwas Zitrus; mit mehr Luft tritt die Zitrusnote stärker  hervor.
Dezente Zitrusfrucht, Backgewürze, die ausgeprägte Süße wird durch eine rasante Säure gezügelt, schönes Spiel, Kandisnoten, recht langes Finale. Ich denke, der Wein ist noch nicht auf seinem Höhepunkt angekommen.

90-92+, besser noch ein wenig liegen lassen, dann sicher bis Ende des nächsten Jahrzehnts 


Danach folgten zwei Weine von der Nahe, beide vom Weingut Dr. Crusius und aus dem Hitzejahr 2003.

2003 Crusius Traiser Rotenfels Riesling Auslese (aus halber Flasche)

Dunkles Goldgelb, schon Richtung Bernstein
Im Duft von mittlerer Intensität mit sehr klarem Fruchtausdruck: viel gelbe Steinfrucht, auch getrocknete Aprikose
Auch am Gaumen viel reife gelbe Frucht. Die Frucht "trägt" die Süße, so dass diese (obwohl die Säure sensorisch nicht sehr ausgeprägt ist) harmonisch und nicht pappig wirkt. Das ist eine sehr schöne und hervorragend gereifte Auslese 

91-93, bis 2035 


2003 Crusius Norheimer Kirschheck Riesling Beerenauslese 

Bernstein
Spannender Duft mit einerseits frischer Frucht (Rhabarber), dann aber auch Nüsse und Trockenfrüchte, das alles aber sehr sauber. Mit mehr Luft Backgewürze, Vanille und sogar eine leicht pfeffrige Note
Am Gaumen opulente Süße, eher Würze als Frucht, leichte Ingwerschärfe im Finale. 

89-91, bis 2035 


Den Abschluß bildete dann eine "Nummernauslese" von der Ruwer aus dem Jahr 2009.

2009 Maximin Grünhaus Maximin Grünhäuser Abtsberg Riesling Auslese Nr. 149 

Goldgelb
Etwas zurückhaltender, aber sehr feiner Duft nach gelben Früchten und Backgewürzen mit einem Hauch Vanille
Auch am Gaumen ist das ein eher zurückhaltender, eleganter Wein mit gut dosierter Süße, dezenter Frucht und einer feinen (an Tonic erinnernden) Herbe im Finale
Schön zwar, aber der Wein bleibt doch etwas hinter meinen Erwartungen zurück 

90-92, da ist keine Eile geboten, bis 2030+

Donnerstag, 30. April 2026

Neues aus Franken

Weine aus Franken trinken wir recht selten, und wenn, dann sind es meistens die der "üblichen Verdächtigen" (bei uns hauptsächlich Luckert, Horst Sauer und Fürst). Eine Verkostungsnotiz (des Silvaners "Gewann Katzenkopf", s.u.) bei wein.plus machte mich auf ein Weingut aufmerksam, von dem ich bislang nicht einmal den Namen kannte: Norbert Drescher (Dreschers Weine) in Sommerach. Aufgrund der Verkostungsnotiz wollte ich ein paar Flaschen des besagten Silvaners kaufen und habe dann aus Neugier ein paar weitere Weine mitbestellt. Unsere Neugier haben wir dann in den letzten Tagen befriedigt...

 


2024 Norbert Drescher Sommeracher Weissburgunder 

Helles bis mittleres Gelb
Im Duft gemüsige Noten und Zitrus
Am Gaumen recht fokussiert und mit etwas Grip, lebhafte Säure, wieder Zitrus, recht langer Nachhall 

85-87, Würde ich in den nächsten 1-2 Jahren trinken 


2025 Norbert Drescher Riesling feinherb 

Helles bis mittleres Gelb
Verhaltener Duft nach gelben Früchten
Am Gaumen mit harmonischer, gut balancierter Süße, dezent gelbfruchtig, recht kurz 

83-85, würde ich jung trinken  


2023 Norbert Drescher Sommeracher Katzenkopf Silvaner (das steht auf dem Etikett, im Online-Shop und auf der Rechnung heißt der Wein " Sommerach Alte Rebe")

Mittelgelb
Im Duft florale Noten, erdig, helle Frucht (Birne)
Am Gaumen eher etwas gemüsig, wieder erdig, leichter Schmelz, ordentlicher Nachhall 

85-87, bis 2027+ 


2024 Norbert Drescher Sommeracher Rothenbühl Weissburgunder 

Mittelgelb
Recht ausgeprägter Duft mit Zitrus sowie pflanzlichen und nussigen Noten und einer Andeutung gelber Frucht.
Am Gaumen ausgeprägte Zitrusnote, füllig mit dezentem Schmelz und langem, wieder zitrusfruchtigen Nachhall
Sehr schöner Weissburgunder. Der Barriqueausbau ist so zurückhaltend, dass er dem Weiun zwar Fülle verleiht, aber ansonsten kaum erkennbar ist. 

88-90, bis 2030 


2024 Norbert Drescher Sommeracher Gewann Katzenkopf Silvaner 

Helles bis mittleres Gelb 
Im Duft recht zurückhaltend, weiße Frucht (Birne), dezente Kräuternoten. Am zweiten Tag ist der Duft etwas ausgeprägter und gelbfruchtiger mit floralen Akzenten
Am Gaumen straff, weitgehend fruchtfrei, aber zupackend, mit Zug und langem Nachhall. Auch am Gaumen am zweiten Tag mit mehr Frucht, kräutrig, bei immer noch immensem Zug und langem Nachhall. Der Barriqueausbau ist hier (für mich) nicht spürbar 
Der Wein gefällt mir am zweiten Tag deutlich besser - das ist richtig gut

89-91, dürfte Potential für 5 Jahre haben. Wenn ich in nächster Zeit noch eine Flasche aufmache, würde ich sie dekantieren, um dem Wein Luft zu geben


Fazit: Eine schöne Entdeckung. Vor allem die beiden höherwertigen Weine, der Weißburgunder Rothenbühl und der Silvaner Gewann Katzenkopf gefallen mir ausgesprochen gut.Beide sind mit 19 bzw. 17 Euro auch sehr fair bepreist.


Freitag, 24. April 2026

Unkaputtbar

Ich bin recht empfindlich was zu lange geöffnete Rotweinflaschen angeht. Der Geschmack ist mir aus den frühen Jahren meines Weintrinkerdaseins sehr vertraut. Damals war ich regelmäßig bei Jacques' Weindepot zu Gast. Dort standen alle Rotweine aufgereiht zur Probe. Meistens war auf dem Etikett vermerkt, an welchem Tag die Flasche geöffnet worden war. Bei Flaschen, die schon mehrere Tage offen waren, hatte ich häufig einen Geschmackseindruck, den ich zwar im Nachhinein nicht mehr gut beschreiben kann, aber immer als unangenehm empfand.

Vor genau acht Tagen, am 16. April, haben wir eine Flasche des 2018er Schweigener Spätburgunders von Friedrich Becker geöffnet. Ich habe ein oder zwei Gläser getrunken und mir Notizen gemacht (daher weiß ich auch das Datum noch). Danach geriet die Flasche in Vergessenheit. Sie stand, mit ihrem Schraubverschluß verschlossen, in der Küche. Nix Keller oder Kühlschrank, nix Luft abgepumpt oder mit Gas aufgefüllt. Nein, die Flasche stand einfach in der Küche. Heute fiel sie mir dann wieder auf. Mein erster Impuls war, sie wegzuschütten. Kann doch nicht mehr gut sein, nach acht Tagen in der geöffneten Flasche. Dann dachte ich mir: Riech doch mal dran. Und dann: Probier doch mal. Und siehe da, der Wein war noch voll da und gefiel mir sogar noch ein wenig besser als acht Tage zuvor. Ich habe mir dann nochmal Notizen gemacht ohne mir vorher die vom 16.4. anzuschauen. 



2018 Becker Schweigener Pinot Noir (16.4.)

Mittleres bis dunkles Rot ohne Reifenoten
Recht kräftiger Duft mit viel Kirsche, Gewürznoten
Am Gaumen ein kraftvoller Bursche, fleischig, mit einer ordentlichen Portion Tannin und einer "Säurespur", die sich durch den Wein zieht. 

87-89, bis 2030+ 


2018 Becker Schweigener Pinot Noir (24.4.)

Kräftiger Duft mit viel dunkler Frucht, Kirsche, Gewürznoten
Auch am Gaumen kraftvoller Auftritt mit kernigem Tannin, frischer Säure und herb-saftiger Frucht
Punktet eher durch Kraft als durch Eleganz 

88-90 und Potential bis 2030+ 

Dienstag, 21. April 2026

Castillo Ygay

Die Gran Reserva Especial "Castillo Ygay" von Marques de Murrieta ist einer der Top-Weine der Rioja. Leider sind die Preise dafür in den letzten Jahren geradezu explodiert. Während man den 2010er vor 5-6 Jahren noch für um die 100 Euro kaufen konnte, ist aktuell der 2011er im Handel für knapp 200 Euro zu haben und die Preise für den 2012er bewegen sich Richtung 300 Euro. Da sind wir dann definitiv raus. Aber vom 2010er haben wir zum Glück ein paar Flaschen, und die erste davon haben wir vor ein paar Tagen ihrer Bestimmung zugeführt.



2010 Marques de Murrieta Castillo Ygay Gran Reserva Especial

Recht dunkles Rot ohne Reifenoten
In der Nase Erde (wie feuchter Lehmboden), dunkle Frucht, Kirsche, gewürzige Noten mit etwas Pfeffer und einem Hauch Vanille vom Holzausbau. Das ist ein sehr feiner und vielschichtiger Duft.
Am Gaumen in sich ruhend mit seidigem Tannin und feiner Säure. Dunkle Frucht, ganz leicht balsamische Noten, sehr nachhaltig ohne aufdringlich zu sein, langes Finale. Der Wein wirkt so elegant, dass man die Kraft und auch die 14% Alkohol gar nicht wahrnimmt. Großer Wein, der jetzt in bester Trinkreife sein sollte. Mein bisher bester Rioja. 

96-98, dürfte wohl noch mindestens 10 Jahre in Form bleiben

Dienstag, 31. März 2026

Der Süßwein der Woche (18)

Diesmal gibt es eine Auswahl von Süßweinen von Mosel und Nahe. Den Beginn machen eine Auslese und eine Spätlese von Dönnhoff. 

 

2019 Dönnhoff Niederhäuser Hermannshöhle Riesling Auslese 

Mittelgelb mit Goldschimmer
Im Duft von mittlerer Intensität, etwas Zitrus, dann exotische Frucht (Mango)
Am Gaumen sehr ausgewogen; die deutliche Süße mit Kandisnoten wird von der Säure und der Mineralik gut eingefangen. Recht langes Finale.
Sehr schöne Auslese, die aber noch etwas zulegen dürfte. 

91-93+, würde ich nochmal zwei bis drei Jahre liegenlassen, dann sicher bis 2040 


2024 Dönnhoff Niederhäuser Hermannshöhle Riesling Spätlese 

Hellgelb
Sehr schöner Duft mit Pfirsisch, etwas grünem Apfel
Am Gaumen wieder gelbe Frucht, unaufdringliche, durch die Säure gut gepufferte Süße, deutliches mineralisches Fundament, große Länge.
Sehr schöne Spätlese mit großer Zukunft. 

92-94+, noch einige Jahre warten, dann bis 2040+ 


Vom Weingut Becker-Steinhauer habe ich vor etwa 15 Jahren einige Süßweine bei Ebay ersteigert. Sie wurden seinerzeit dort vom Weingut selbst eingestellt und ich konnte für kleines Geld das ein oder andere ergattern. Die Weine waren durchweg erfreulich und einige wenige Flaschen haben "überlebt". 

2009 Becker-Steinhauer Veldenzer Carlsberg Riesling Beerenauslese 

Bernsteinfarben
Recht ausgeprägter Duft mit Noten von Rosinen, Trockenfrüchten und Nüssen
Sehr süßer Antrunk, viskose Textur, intensiv, mit Noten von Rosinen, leicht nussig, ausreichende Säure, um die Süße im Zaum zu halten.
Schöner Süßwein, da ist noch viel Leben drin. 

91-93, da ist keine Eile geboten


2007 Becker-Steinhauer Mülheimer Sonnenlay Riesling Eiswein 

Bernsteinfarben
Im Duft Trockenfrüchte, Nüsse, Früchtebrot
Am Gaumen sehr süß, wieder Trockenfrüchte, Rosinen, leider fehlt es an Spannung, so dass der Wein etwas eindimensional wirkt. 

86-88, wird diese Form noch länger halten 


Und zum Abschluß noch zweimal Mosel, beziehungsweise einmal Saar und einmal Mittelmosel.



2019 Hofgut Falkenstein Krettnacher Euchariusberg Riesling Spätlese -14- (Ternes)

Helles bis mittleres Gelb
Duft von mittlerer Intensität nach reifer gelber Frucht (Pfirsisch?) mit dezenter Kräuternote
Am Gaumen schöne Harmonie zwischen recht zurückhaltender Süße und lebhafter Säure, sehr trinkanimierend 

88-90, bis 2035+ 


2017 J.J. Prüm Graacher Himmelreich Riesling Auslese

Mittelgelb
Im Duft Kandis, daneben gelbe Frucht mit exotischen Anklängen
Am Gaumen im Antrunk zunächst exotische Frucht (Maracuja), dann kommt eine Welle süßer Frucht, die durch eine ganz dezente Bitternote und die reife, sehr gut eingebundene Säure in Schach gehalten wird.
Eine großartige Auslese, auch wenn ich ein klein wenig weniger begeistert bin als bei meiner ersten Begegnung mit diesem Wein vor etwas mehr als einem Jahr (guckstu hier). 

93-95, bis 2035+


Samstag, 28. März 2026

Cornas

Vor acht Jahren habe ich, wohl aus einer Laune heraus, einige 2015er Weine von der nördlichen Rhone gekauft. Zwei Weine aus Cornas und vier von der Cote Rotie. Nur einen der Weine habe ich seinerzeit probiert, der Rest wanderte ungetestet in den Keller. Nachdem die Weine nun 10 Jahre auf dem Buckel haben, schien mir eine "Proberunde" angebracht. In den letzten Tagen ging es los mit den beiden Weinen aus Cornas.

 


2015 Domaine Lionnet Cornas "Terre Brulée" 

Mittleres bis dunkles, noch jugenlich wirkendes Rot
Im Duft recht verhalten mit konzentrierter dunkler Frucht, tintige Würze, und auch die Tapenade lässt sich erahnen.
Mit mehr Luft kommen Rauchnoten hinzu, die Frucht wird inteniver, Noten von Himbeeren
Am Gaumen die Faust im Samthandschuh. Der erste Eindruck ist weich und rund, aber dann macht sich massives und leicht trocknendes Tannin bemerkbar. Daneben wieder (zunächst eher verhaltene, am zweiten Tag intensivere) Frucht, hier etwas ins Rotfruchtige spielend.
Mir ist nicht ganz klar, wohin die Reise noch geht. Im jetzigen Zustand ist der Wein gut, aber nicht bemerkenswert - und kommt an die Bewertung, die ich ihm bei der ersten Begegnung 2018 gab, nicht heran (guckstu hier). 

89-91, dürfte noch einige Jahre vor sich haben.

 

2015 Alain Voge Cornas "Les Vieilles Vignes"

Mittleres bis dunkles, jung wirkendes Rot 
Im Duft ist viel Frucht (Himbeere), daneben feine Würze, komplex, dezent spürbarer Holzeinsatz. Legt am zweiten Tag noch an Intensität zu.
Am Gaumen noch jugendlich wirkend, sehr präzise Frucht, herb-saftig mit präsentem, feinem Tannin, einem leichten Säure-Kick und langem Nachhall
Der Wein ist richtig gut und hat noch ein langes Leben vor sich. Könnte sogar noch etwas zulegen. Und das beste: das war erst die erste von sechs Flaschen :-)

93-95, bis 2035+ 



Mittwoch, 18. März 2026

Chacra

Die Bodega Chacra liegt im Norden Patagoniens und wurde von Piero Incisa della Rocchetta, dem Enkel des Gründers von Sassicaia, 2004 gegründet. Das Klima dort ist durch starke Tag-Nacht-Gegensätze gekennzeichnet. Angebaut werden, soweit ich weiß, Chardonnay und Pinot Noir. Einen Chardonnay von Chacra (die in Kooperation mit Jean Marc Roulot entstehen) hatten wir hier schon (guckstu hier). In den letztenm Tagen waren zwei Pinot Noirs dran. Der Barda ist der Basis-Pinot, der Cincuenta y Cinco stammt von 1955 gepflanzten und damit ziemlich alten Reben. 

Die Weine der Bodega Chacra sind sind vergleichsweise leichtgewichtig, mit moderatem Alkoholgehalt, und vor allem fein und sehr elegant.

 


2020 Bodega Chacra Pinot Noir "Barda"

Helles bis mittleres Rot
Eher zurückhaltender, feiner Duft nach Kirsche und floralen Noten (Rose?)
Am Gaumen leichtgewichtig mit Noten von süßer Kirsche und wiederum feinen floralen Akzenten. Sehr elegante Stilistik mit seidigem Tannin, ganz feiner Säure und einem leichten Süßeeindruck. 

88-90, jetzt in bester Trinkreife, die er noch einige Jahre halten dürfte 


2019 Bodega Chacra Pinot Noir "Cincuenta y cinco"

Noch recht jung wirkendes Mittelrot
Sehr feiner, vielschichtiger Duft nach roten Früchten (Erdbeere), Kirsche und Gewürznoten (Wacholder)
Sehr eleganter Wein, eher leichtgewichtig, aber mit schöner Frucht (etwas dunkler als im Duft), hochfeinem Tannin und langem Finale. 

91-93, wird sicher noch fünf und mehr Jahre Freude machen (und vermutlich unterschätze ich aufgrund des eher leichten Charakters des Weins sein Alterungspotenzial)

Montag, 9. März 2026

Die wilde 13

Nach der durchaus erfreulichen Momentaufnahme des Jahrgangs 2014 (guckstu hier) vor zwei Wochen habe ich mir in den letzten Tagen den Jahrgang 2013 vorgenommen. Der gilt als der schlechteste des Jahrzehnts und würde wohl auch bei der Wahl zum schlechtesten Jahrgang des laufenden Jahrhunderts als Mitfavorit an den Start gehen. Dem entsprechend haben wir da auch keine grösseren Bestände im Keller, aber vier Weine fanden sich dann doch für die Bestandsaufnahme.

 


2013 Chateau Pavie Macquin 

Mittleres bis dunkles Rot mit ganz leichter Reifenote
Recht ausgeprägter Duft nach Kirsche, dezente Gewürzaromen, etwas Rauch.
Am Gaumen recht leichtgewichtig, wieder Kirschfrucht, etwas Pflaume, stützendes Tannin.
Das ist ein stimmiger, wenn auch nicht sehr komplexer Wein. 

88-90, bis 2030  


2013 Chateau Grand-Puy-Lacoste 

Mittleres bis dunkles Rot, fast ohne Reifenoten
Feiner, dunkelfruchtiger Duft, Cassis, würzige Noten und auch leichte Röstaromen
Am Gaumen eher leichtgewichtig, dunkelfruchtig, Kirsche, mit feinem Tannin
Hier gilt das gleiche wie für den Pavie Macquin: Ein schöner und stimmiger Wein, der aber in Bezug auf Komplexität und Länge deutlich hinter besseren Jahrgängen (für den hervorragenden 2014er guckstu noch einmal hier) zurückbleibt. 

ebenfalls 88-90, bis 2030 

 


2013 Domaine de Chevalier 

Recht dunkles Rot ohne Reifenoten
Im Duft viel dunkle Frucht (Brombeere, Heidelbeere), etwas Tabak(?) sowie mineralische Noten
Am Gaumen leicht- bis mittelgewichtig mit dunkler Frucht und samtigem, im Finale etwas trocknendem Tannin
Stilvoll und stimmig, aber (natürlich) auch hier ohne die Substanz besserer Jehrgänge. Neal Martin schrieb dazu 2016 im Wine Advocaze "one of the most pleasurable releases in 2013", und "pleasurable" ist eine sehr passende Beschreibung.

89-91, bis 2030 

 

2013 Chateau Leoville Poyferre 

Recht dunkles Rot ohne Reifenoten
Im Duft zunächst dunkle Frucht, Cassis, gepaart mit vanilligen Noten vom Holzausbau. Mit mehr Luft wirkt das etwas rotfruchtiger, Granatapfel(?)
Am Gaumen recht nachhaltig, ausgeprägte Röstaromen, dunkle Frucht (Heidelbeeren?), präsentes und etwas trocknendes Tannin und eine recht lebhafte Säure. Vergleichsweise lang.
Das ist der am kraftvollsten wirkende und für mich beste der vier Weine, und vermutlich auch der langlebigste

90-92, bis 2035


Fazit: Das Problem eines schwachen Jahrgangs wie 2013 ist nicht, dass er schlechte Weine hervorbringt. Alle vier Weine sind gut und mit Freude zu trinken. Das Problem ist vielmehr, dass das bessere der Feind des Guten ist. Obschon schwächere Jahrgänge zu deutlich niedrigeren Preisen gehandelt werden als als Top-Jahrgänge, sind sie letztlich immer noch zu teuer. Für die vier Weine haben wir zwischen 39 (Grand-Puy-Lacoste) und 49 (Leoville-Poyferre) Euro bezahlt. Für das Geld bekommt man Weine "kleinerer" Chateaux aus Top-Jahrgängen, die einfach mehr fürs Geld bieten.


Freitag, 6. März 2026

14^2

Ende Februar versammelte sich eine kleine Runde in der wineBANK Köln zu einer Probe mit 14 Bordeaux aus dem Jahrgang 2014. Dieser Jahrgang folgt auf den sehr mäßigen 2013er (den vielleicht schlechtesten Jahrgang des Jahrzehnts), und auch 2012 und 2011 waren keine Überflieger. Dem entsprechend wurden die 2014er zunächst gut aufgenommen, aber durch die nachfolgenden Jahrgänge 2015 und vor allem 2016 etwas in den Schatten gestellt. Im nunmehr zwölften Jahr nach der Ernte schien der Zeitpunkt gekommen, einen erneuten Blick auf den Jahrgang zu werfen. 

Dass die Runde klein war, ist zwar einerseits enttäuschend (man hätte sich doch mehr Interesse gewünscht), hatte aber auch einen grossen Vorteil. Es war (selbst bei den grossen Namen) genug Wein da, um am Ende der Probe noch einmal nachverkosten zu können. Einige Weine haben sich (obwohl alle Flaschen am Vormittag der Probe doppelt dekantiert worden waren) durch die zusätzliche Zeit und Luft vorteilhaft entwickelt.

Den Anfang machten drei Margaux, blind verkostet. Chateau Labegorce sehr fein, floral mit roter Frucht und guter Balance (91). Daneben Chateau Rauzan-Segla mit intensiv-floralem und sehr feinem Duft, sehr generös und mit vernehmlichen Röstnoten (93). Im dritten Glas Chateau Malescot St. Exupery, der beständig zulegte. Im Duft rotfruchtig und zunächst etwas rustikal. Das Rustikale verschwindet aber mit der Zeit und macht Platz für feine florale Noten, Kirsche. Röstnoten, etwas Teer und etwas gerösteter Paprika. Zu Beginn war ich bei (92), bei einer Nachverkostung am Ende der Probe eher einen bis zwei Punkte höher. Eine schöne Überraschung. 

Von Margaux nach Saint-Julien. Chateau Langoa Barton war eine Fruchtbombe mit viel Kirsche, Cassis, etwas likörig. Auch am Gaumen viel Frucht, generös, mit etwas alkoholoscher Wärme (92). Einige Mitverkoster nahmen eine Stallnote wahr und bewerteten den Wein schwächer, aber ich konnte diese Note beim besten Willen nicht wahrnehmen. Danach alle drei Leovilles, auch blind verkostet. Sehr fein und vielschichtig Chateau Leoville Poyferre. Viel rote Frucht und Kirsche und eine etherische Note im Duft, am Gaumen dann sehr fein, "transparent" und mit sehr feinem Tannin (94). Chateau Leoville Las Cases mit viel Frucht und Noten vom Holzausbau (Kokos?), Gewürzen und Paprika im Duft. Auch am Gaumen viel Frucht, Kräuternoten, viel Tannin (95). Chateau Leoville Barton auch mit viel eher kirschiger Frucht im Duft, am Gaumen neben der Frucht kräftiges (und vielleicht noch etwas hartes) Tannin (92+). Im Moment einen Tick hinter den Namensvettern, aber das kann sich mit der Zeit noch ändern.

Es ging mit einem Exoten weiter. Exot, weil das der einzige Wein vom "rechten Ufer" war. Chateau Pavie Macquin im Duft floral, Veilchen(?), am Gaumen Kirsche, viel weiches, die Zunge belegendes Tannin (90).

Zurück ans linke Ufer, nach Pessac-Leognan. Domaine de Chevalier mit dunkler Frucht, Kräutern und (mit mehr Luft) auch Kirsche im Duft. Am Gaumen eher "weich" wirkend, mit einem leichten Süßeeindruck, wieder Kräuter (91). Daneben anders, aber auf ähnlichem Niveau, Chateau Haut-Bailly mit sehr feinem, wieder kirschfruchtigem Duft. Am Gaumen "sehr Cabernet" mit Paprika neben der Frucht, viel und auch (noch?) etwas hartes Tannin (91). 

Auch aus Saint-Estèphe gab es zwei Weine. Chateau Meyney mit schönem, sehr dunkelfruchtigem Duft. Auch am Gaumen dunklefruchtig mit schöner Reife und noch deutlich spürbarem Tannin (91). Das ist zwar durchaus Cru Classé-Niveau, aber doch ein Stück hinter Chateau Calon Segur. Intensiver, sehr fruchtiger Duft, vielschichtig mit dunkler Frucht und Pumpernickel. Auch am Gaumen dunkelfruchtig mit sehr feinem Tannin (94). 

Den Abschluß machte Pauillac. Hervorragend Chateau Grand-Puy-Lacoste mit sehr schönem Duft, Paprika und pflaumige Frucht. Am Gaumen perfekte Reife, etwas Paprika, superfeines Tannin (94). Und schließlich Chateau Pontet Canet. Sehr intensiver Duft, Schlehe, rote Frucht (Erdbeere!). Auch am Gaumen viel rote Frucht (Erdbeere und Himbeere), daneben Pflaume, kreidige Mineralik (95). Ein toller Wein, aber kein typischer Pauillac. Ich habe keine Ahnung, wo ich den blind hingesteckt hätte. Die Erdbeernoten weckten sogar Assoziationen an Grenache.

Fazit: 2014 ist ein guter, aber kein grosser Jahrgang. Einige Weine sind am Beginn der Trinkreife, andere brauchen noch etwas mehr Zeit. Ganz vorne Leoville Las Cases, dem ich den Vorzug vor dem für mich untypischen Pontet Canet geben würde. Nur knapp hinteer den beiden Leoville Poyferre, Calon Segur, Grand Puy Lacoste und der (für mich etwas überraschend) sehr schöne Malescot St. Exupery. .


Mittwoch, 25. Februar 2026

Der Schatz im Silberberg - reloaded

Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich den 2018er Ahrweiler Silberberg von Meyer-Näkel im Glas gehabt (guckstu hier). Heute war ein 2019er Silberberg an der Reihe, allerdings nicht von Meyer-Näkel, sondern vom Weingut Kreuzberg - aber genauso schön.


2019 Kreuzberg Ahrweiler Silberberg Spätburgunder GG 

Mittleres Rot
Ausgeprgter und typischer Duft mit ausgeprägten Fruchtnoten und etwas Schokolade sowie Gewürzen
Am Gaumen dezent rauchig, ausgeprägte, eher rote Frucht, feine Säure und gut dosiertes, feinkörniges Tannin. Sehr schöner, Herkunft zeigender Spätburgunder ohne jeden Kitsch. 

90-92, bis 2030

Mittwoch, 18. Februar 2026

Entscheidungshilfe

Vor einigen Tagen habe ich bei einem Händler 2019er Chateau Sociando-Mallet zu einem wirklich sehr guten Preis entdeckt und überlege, ein paar Flaschen zu kaufen. Einerseits habe ich mit dem Chateau gute Erfahrungen gemacht, andererseits ist der Keller voll, und mit 2019er Bordeaux sind wir mehr als ausreichend versorgt. 

Nun begab es sich, dass ich heute im Keller (wirklich zufällig) über die beiden letzten Flaschen 2000er Sociando-Mallet gestolpert bin. Als "Entscheidungshilfe" wurde eine davon entkorkt.


 

2000 Chateau Sociando-Mallet

Mittleres Rot mit Reifenoten
Recht ausgeprägter Duft nach dunklen Früchten, Zedernholz, Paprika und (nur unmittelbar nach dem Öffnen) auch einem Hauch Pferdestall. Mit mehr Luft und etwas höherer Temperatur wird die Frucht etwas dominanter und es zeigt sich eine leicht minzige Note Das ist sehr typisch und sehr Cabernet Sauvignon (und ja, ich weiß, dass der Cabernet-Anteil bei Sociando-Mallet tatsächlich gar nicht sehr hoch ist)
Am Gaumen mittelgewichtig, wieder sehr Cabernet mit etwas Paprika neben der dunklen Frucht, noch durchaus präsentem Tannin und recht langem Finale
Das ist ein schöner, sehr typischer und etwas kantiger "linksufriger" Bordeaux, in dem noch eine Menge Leben steckt. Mir gefällt das sehr. 

91-93, jetzt in bester Trinkreife, die er noch einige Jahre halten dürfte 


Es ist ganz interessant, sich Bewertungen für den 2000er Sociando-Maller anzuschauen. Die gehen nämlich (selbst dann, wenn man sich Bewertungen aus dem gleichen Jahr anschaut) ziemlich weit auseinander. Teilweise wird der Wein wegen grüner und krautiger ("herbaceous") Noten schlecht beurteilt. Andere Verkoster erwähnen diese grünen Noten gar nicht, sondern sprechen eher von Frucht, Dichte und Länge. Die Verdikte reichen von "disappointing showing" (Neal Martin, 2010) über "a beautiful wine and certainly one of the great sleepers of the vintage" (Robert Parker, 2010) bis "a gloriously successful vintage for Sociando-Mallet" (Stephen Tanzer 2003). 

Ich kann den Verweis auf grüne Noten ein Stück weit nachvollziehen, denn die Paprikanoten erinnern durchaus an Bordeaux aus Jahren mit eher knapper Reife. Mich stören sie aber nicht, weil sie zusammen mit der Frucht ein für mich stimmiges Gesamtpaket ergeben.


Mittwoch, 11. Februar 2026

Mischen possible

Zu diesem Wein bin ich gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Ich hatte online ein paar Flaschen Rioja bestellt. Der bestellte Jahrgang war aber vergriffen, und der Händler bot mir dafür einen anderen Jahrgang und zusätzlich diese Flasche als Zugabe an. Der Wein ist dem Etikett nach eine Sonderabfüllung für den Händler. Er stammt aus der Region Carinena und ist eine Cuvée aus drei Rebsorten, die ich in dieser Zusammensetzung noch nie gesehen und auch nie erwartet hätte: Cabernet Sauvignon, Garnacha (Grenache) und Tempranillo.





2019 Bodegas Panizas Carinena D.O. "Terra de Govo" 

Mittleres Rot, zum Rand hin etwas Orange
Im Duft nicht sehr intensiv, eher rote als dunkle Früchte, eine leicht rosinige Note, Kräuter. Wenn man es weiss, kann man die Grenache erkennen (auf Cabernet und Tempranillo wäre ich sicher nicht gekommen)
Am Gaumen würzig, zurückhaltendes Tannin, dabei eher verhaltenes Geschmacksprofil und nicht sehr lang. 

85-87, würde ich in den nächsten zwei bis drei Jahren trinken

Sonntag, 18. Januar 2026

Der Süßwein der Woche (17)

Die letzte "Süßwein-Runde" aus 2025 (mit etwas Verspätung gepostet) mit einer sehr schönen 2021er Rieslaner Auslese, einem Oldie aus dem Jahr 1990 und zwei Weinen aus dem Jahrgang 2018 (den ich ab Februar etwas genauer unter die Lupe nehmen möchte). 



2021 Keller Rieslaner Auslese 

Kräftiges Gelb mit Goldschimmer
Zurückhaltender, aber feiner Duft nach exotischen Früchten (Maracuja, Papaya?)
Am Gaumen viel exotische Frucht, vor allem Maracuja. Dabei sehr präzise mit sehr guter Süße-Säure-Balance, fast zart wirkend und trotzdem mit recht langem, wieder exotisch-fruchtigem Finale
Eine ganz hervorragende Auslese - man mag das Glas kaum absetzen 

91-93, bis 2040 

 


1990 Schloß Schönborn Erbacher Marcobrunn Riesling Spätlese 

Dunkles Goldgelb mit rötlichem Schimmer
Im Duft zunächst noch erstaunlich viel Frucht; neben Aprikose und Pfirsisch auch Quitte. Mit zunehmendem Luftkontakt bricht die Frucht allerdings weg
Am Gaumen mit spürbarer Süße, daneben wieder gelbe Frucht, Andeutung von Firne und mit einer ganz leichten Bitternote (vielleicht wegen des mit 11% für eine restsüße Spätlese recht hohen Alkoholgehalts?), endet recht lang auf gelben Fruchtnoten  Der Wein ist noch erstaunlich gut beieinander, sollte nun aber bald getrunken werden. 

85-87, austrinken  



2018 Dönnhoff Niederhäuser Hermannshöhle Riesling Spätlese 

Kräftiges Mittelgelb
Im Duft eher verhalten, gemischte Früchte, etwas süßer Apfel
Am Gaumen süße Frucht, etwas Backgewürze, passende Säure, die den Wein in gute Balance bringt, recht langer, süßfruchtiger Abgang 

89-91, bis 2035 


2018 Dönnhoff Oberhäuser Brücke Riesling Auslese 

Mittelgelb
Zunächst eher verhaltgener Duft nach gemischten Früchten. Ich kann da kaum einzelne Aromen identifizieren, und das erinnert mich an 2003
Auch am Gaumen wieder gemischte Frucht, ausgeprägte, aber unaufdringliche Süße, im Finale Andeutung roter Frucht 

89-91, bis 2035+

Sonntag, 14. Dezember 2025

Mit fünf Jahren Verspätung

Bei der Subskriptionskampagne für den Jahrgang 2019 während der Corona-Pandemie hatte ich überlegt, diesen Wein zu subskribieren, habe es dann aber doch gelassen. Vorigen Monat flatterte mir dann das Angebot eines Händlers in den virtuellen Briefkasten, der den Wein zu einem Preis anbot, der nur wenig über dem seinerzeitigen Subskriptionspreis lag (und der Jahrgang 2019 war wegen der damaligen Umstände und angesichts seiner Qualität preislich attraktiv). Da bin ich dann doch schwach geworden und habe, quasi mit 5 Jahren Verspätung, ein paar Flaschen geordert.



2019 Chateau du Domaine de l'Eglise 

Sehr dunkles Rot ohne Reifenoten
Der Duft springt einen direkt an: intensiv, mit viel reifer dunkler und auch roter (Himbeere) Frucht, heller Tabak, unmittelbar nach dem Öffnen auch etwas Blut
Auch am Gaumen ist da sehr viel Frucht, eingebettet in weiches Tannin, das sich erst im Finale richtig bemerkbar macht. Der hohe Alkohol (15% laut Etikett) ist im Finale spürbar.
Das ist ein guter, etwas "plüschiger" Wein, der (nicht zuletzt wegen des hohen Alkohols) zum Essen serviert werden sollte - "solo" macht er schnell satt. 

90-92, ob der Wein sich noch verbessern wird, vermag ich nicht zu sagen. Aber er hat auf jeden Fall noch viele Jahre vor sich

Donnerstag, 11. Dezember 2025

Der Süßwein der Woche (16)

Diesmal ist die Auswahl deutlich Mosel(Nebenfluß)-lastig mit nur einem kurzen Abstecher nach Österreich. Den Anfang macht eine hochkarätige Auslese von der Saar.



2017 Markus Molitor Saarburger Rausch Riesling Auslese***

Goldgelb
Intensiver Duft nach gelben Früchten (Aprikose und Pfirsisch) mit leicht exotischem Einschlag (Mango?)
Am Gaumen süßer Antrunk, dem dann eine Ladung gelber Frucht folgt. Das Ganze wird von sehr gut eingebundener Säure in sehr schöner Balance gehalten, so dass der Wein animierend wirkt. Leicht viskose Textur. Im langen Abgang mit dezenter Kandisnote.
Hervorragende Auslese, die noch ein langes Leben vor sich hat. 

93-95, bis 2040+ 

 

Von der Mosel geht die Reise in die Steiermark. Tement, einer der absoluten Top-Betriebe hier, macht hin und wieder auch edelsüße Weine, darunter diese Trockenbeerenauslese aus Sauvignon Blanc und der Paradelage Zieregg.

 


2017 Tement Ried Zieregg Sauvignon blanc TBA Tement Essenz 

Reifes Goldgelb
Ausgeprägter Duft mit viel exotischer Frucht, auch etwas Rosine und Kandis
Am Gaumen opulente Süße, viskos, die Frucht ist hier etwas verhaltener als im Duft. Die Süße wird weniger durch die Säure als durch eine herbe Note im Finale gepuffert. 

91-93, bis 2040+

 

Zurück an die Mosel. Nochmal Saarburger Rausch, nochmal 2017. Ich fange an, ein Fan dieses Mosel-Jahrgangs zu werden (guckstu auch hier). 




2017 Forstmeister Geltz Zilliken Saarburger Rausch Riesling Spätlese

Goldgelb
Im Duft sehr schön und animierend mit viel Aprikose, Quitte und einem exotischen Einschlag 
Am Gaumen wieeder viel Aprikose und exotische Frucht; ausgeprägte, aber sehr gut durch die Säure balancierte Restsüße. Langes und leicht herbes Finale.
Was für eine schöne Spätlese.

92-94, jetzt in perfekter Trinkreife mit Potential für weitere Jahre 

 

Ein Jahr jünger, aus dem warmen Jahr 2018 und ebenfalls von der Mosel stammt der nächste Wein 


2018 A.J. Adam Dhroner Hofberg Riesling Kabinett 

Mittelgelb 
Recht ausgeprägter und leicht rauchiger Duft nach einem Potpourri von Früchten mit Apfel, rotfruchtigen Noten und exotischem Einschlag, auch etwas Backgewürz
Auch am Gaumen fruchtbetont, unaufdringliche Süße, pikant, guter Trinkfluß, recht langes Finale
Für einen Kabinett eher auf der üppigen Seite, aber gut 

89-91, Potential für 5-10 Jahre 

 

Und auch zum Abschluß noch einmal Mosel, bzw. genauer gesagt Ruwer. Die nachfolgende Spätlese, ursprünglich 2015 auf der Versteigerung des Großen Rings versteigert, konnte ich für kleines Geld als reduzierten Restposten bei einem Händler kaufen. Ob die Nummerierung eine Hommage an Douglas Adams ist?



2014 Eitelsbacher Karthäuserhofberg Riesling Spätlese Nr. 42 -Versteigerung- 

Goldgelb
Mittelkräftiger, sauberer und animierender Duft nach gelben Früchten (Aprikose), rauchig
Am Gaumen ebenfalls gelbfruchtig mit leichter Zitrusnote und sehr schöner Balance zwischen unaufdringlicher Süße und Säure, dabei präzise und von fast kristalliner Klarheit. Langer Nachhall.
Sehr schöne, eher "leise" Spätlese. 

92-94, hat Reserven für weitere fünf bis zehn Jahre

Freitag, 14. November 2025

Sangiovese meets Merlot

Der Siepi ist eine Cuvée aus Sangiovese und Merlot und ist quasi der "Supertuscan" aus dem Hause Mazzei (Castello di Fonterutoli). In der Liga spielt er auch preislich; aktuelle Jahrgänge sind für knapp unter 100 Euro zu haben. Von diesem 2006er konnte ich im Sommer aber einige wenige Flaschen für 35 Euro kaufen, und da habe ich dann nicht lange überlegt.

 


2006 Siepi

Mittleres bis dunkles Rot mit ganz leichten Reifenoten
Im Duft eher verhalten mit Noten von Kirsche, dunkler Frucht und einer schönen Würze
Am Gaumen zeigt sich der Wein auf den Punkt gereift. Da ist wieder die Kombination aus Frucht und Würze, dazu noch ausreichend Tannin, um dem Wein Struktur zu geben. Im Finale zeigt sich dann eine etherische Note, die den Wein frisch wirken läßt. 

91-93, jetzt in hervorragender Trinkreife. Dieses Niveau mag der Wein noch einige Jahre halten, aber es gibt keinen Grund zu warten.

Mittwoch, 12. November 2025

Die vergessenen Flaschen

2015 habe ich sechs Flaschen 2014er Chateau Charmail in Subskription gekauft. Zwei Flaschen haben wir jung getrunken und den Wein dann mehr oder weniger vergessen. Irgendwann fiel mir dann wieder ein, dass es ihn irgendwo im Keller noch geben muss, aber ich konnte ihn nicht finden. Erst als ich (aus ganz anderem Grund) die unterste (und unbeschriftete) Kiste in einem Stapel aus Bordeaux-Holzkisten untersucht habe, habe ich sie wiedergefunden. Dieses Ereignis wurde dann wenige Tage später mit dem Öffnen einer Flasche gefeiert. Und wo wir schon mal dabei waren, gab es kurz darauf den ebenfalls 2015 in Subskription gekauften 2014er Clos Floridene (in rot; es gibt auch einen Weißwin des Gutes).




2014 Chateau Charmail

Recht dunkles Rot mit leichter Reifenote
Ausgeprägter Duft nach eher roten als dunklen Früchten, daneben etwas Waldboden
Auch am Gaumen viel Frucht, mittelgewichtig und von eher kerniger Art mit einer gesunden Portion leicht trocknenden Tannins. Am zweiten Tag weitgehend unverändert.
Schöner, sehr gut trinkbarer kleinerer Bordeaux mit Reserven 

88-90, bis 2030 


2014 Clos Floridene

Recht dunkles Rot mit leichter Reifenote
Im Duft dunkle Früchte (Heidelbeere) mit einem ganz leichten grünen Akzent
Am Gaumen ebenfalls dunkelfruchtig, mit weitegehnd abgeschmolzenem Tannin und recht prägnanter Säure. Nicht sehr komplex, aber gut trinkbar. Wird sicher nicht mehr besser. 

86-88, in den nächsten zwei bis drei Jahren trinken

Samstag, 18. Oktober 2025

Elferrat

Der Bordeaux-Jahrgnag 2011 besitzt keinen guten Ruf. Die Weine waren deutlich schlechter als die der beiden Vorgänger und die Preise angesichts der gebotenen Qualität hoch. Im "Vintage Chart" des Wine Advocat wird der Jahrgang trotzdem mit "Above Average to Excellent" bewertet. Allerdings werden seit 30 Jahren alle Bordeaux-Jahrgänge so hoch oder noch höher bewertet. Der letzte Bordeaux-Jahrgang, der ein "Average" erhielt, war 1993. Vielleicht sollte der Wine Advocate mal seine Definition von "Durchschnitt" überdenken.

Der Einschätzung des Jahrgangs entsprechend habe ich mich bei der Subskription damals zurückgehalten - 2011 ist eines meiner "Nicht-Jahre" (guckstu hier). Trotzdem sind zwischenzeitlich einige 2011er in unserem Keller gelandet. Die haben wir jetzt mal begutachtet.

 

Die erste von unseren Smith Haut Lafittes haben wir vor etwa zwei Jahren getrunken, da war das noch ein ziemlicher Raufbold (guckstu hier). Jetzt kommt der Wein etwas zivilisierter daher, kann aber den schwächeren Jahrgang nicht ganz verleugnen. 

2011 Chateau Smith Haut Lafitte

Mittleres bis dunkles Rot mit eichtem Wasserrand
Eher verhaltener Duft nach Leder, dunkler Frucht, etwas Menthol und (etwas überraschend) einer an Orangenzesten erinnernden Note
Am Gaumen mittelgewichtig, von eher kühler Stilistik und mit dunkler Frucht (Zwetschke), noch recht präsentem Tannin und mittellangem Finale, in dem wieder die Zwetschke ihren Auftritt hat.
Eher Charakterkopf als Charmebolzen, dürfte jetzt in der Trinkreife angekommen sein. 

90-92, dürfte sein Niveau sicher für fünf und mehr Jahre halten 


2011 Chateau Leoville Poyferré

Mittleres bis dunkles Rot, noch fast jugendlich wirkend mit leichtem Violettschimmer
Mittelkräftiger Duft nach dunklen Früchten, Cassis, etwas Rauch. Am zweiten Tag wirkt der Duft etwas "schwerer" mit einer likörigen Note
Auch am Gaumen dunkelfruchtig, steinige Mineralik, ausgeprägtes Tannin, das die Zunge etwas belegt
Jetzt in der Trinkreife angekommen und sicherlich ein guter Speisenbegleiter.
Kommt mir etwas "mainstreaminger" vor als der Smith Haut Lafitte, aber der eher schwache Jahrgang macht sich doch bemerkbar.

90-92, auch hier Potential für fünf und mehr Jahre 


Den "D de C" hatte ich zuletzt vor fast acht Jahren im Glas. Er gefiel mir damals schon sehr gut (guckstu hier). Und bevor jetzt jemand mein Gedächtnis bewundert: Ich habe 2017 den Wein hier im Blog beschrieben und von unseren ursprünglich 6 Flaschen waren jetzt noch 5 im Keller - also muss das damals die bislang einzige Flasche gewesen sein.

2011 Domaine de Chevalier

Mittleres bis dunkles Rot
Mittelkräftiger und recht komplexer Duft nach dunkler Frucht, Kirsche und etwas Tabak mit einer leicht mentholigen Note
Am Gaumen recht ausladend mit viel "warmer" Frucht und etwas burschikosem Tannin, das wohl dem Jahrgang geschuldet ist. Gefällt mir einen Tick besser als Smith Haut Lafitte und Leoville Poyferré. 

91-93, wirkt etwas reifer als die beiden vorerigen Weine und sollte m.E. bis 2030 getrunken sein.   

 

2011 Chateau Pavie Macquin

Mittleres Rot mit angedeuteter Reife
Recht komplexer und herb wirkender Duft nach roten und dunklen Früchten (Cassis, Aronia?)
Am Gaumen greift dann die Abteilung Attacke an. Viel (herbe) Frucht kleidet den Gaumen aus. Da ist ausserdem viel Tannin, das ebenfalls den ganzen Gaumen (auf nicht unangenehme Weise) belegt. Langer Abgang.
Das ist sehr gut und eindrucksvoll, aber es fehlt am Ende doch etwas die Präzision und Konturiertheit, die einen grossen Wein ausmachen würde. 

91-93, bis 2035+ 


2011 Chateau Clinet

Mittleres bis dunkles Rot mit ganz dezenter Reifenote
Delikater Duft von zunächst mittlerer Intensität mit Schokolade, verhaltener dunkler Frucht, etwas Minze, Kräutern. Wird mit Luft vielschichtiger und intensiver; die Frucht wird ausgeprägter (und es kommt eine rotfruchtige Note Richtung Himbeere hinzu) und auch die Minznote wird ausgeprägter
Am Gaumen eher kühle Stilistik, (noch?) etwas monolithisch wirkend; wieder etwas Schokolade, Kräuter, verhaltene Frucht, aber mit Tannin sehr guter Qualität. Im Abgang dann etwas mehr Frucht, kombiniert wieder mit schokoladiger Note. 

92-94, bis 2030+


2011 Chateau Montrose

Dunkles Rot mit leichtem Wasserrand
Im Duft von mittlerer Inensität mit viel dunkler Frucht, etwas Rauch, sehr dezenter Holzeinfluss. Wirkt insgesamt recht jung und (noch) nicht voll entfaltet (und das ändert sich auch nach 5 Stunden Dekantierzeit nicht)
Auch am Gaumen noch verschlossen wirkend mit einem Kern dunkler Frucht, recht massivem Tannin, das die Zunge belegt, und einer prägnanten Säure.
Ich denke, dass da noch mehr kommen wird, aber im derzeitigen Zustand doch unter den Erwartungen, die der Name (selbst in einem mäßigen Jahrgang) weckt. 

90-92+, Noch einige Jahre liegen lassen, dann sicher bis 2040 

Interessant ist übrigens die Trinkreifeeinschätzung für den Montrose im Wine Advocate. Bei der Primeurverkostung 2012 schrieb Robert Parker himself "2012-2027". Nach der Abfüllung 2014 wurde daraus "2017-2032". Neal Martin setzte das 2016 herauf auf "2021-2045" und William Kelley setzte 2021 noch eins drauf mit "2025-2045". Vielleicht wird der Wein ja nie wirklich trinkreif?


Sonntag, 5. Oktober 2025

Der Süßwein der Woche (15)

Diesmal geht es wieder ziemlich bunt durcheinander was Jahrgänge und Herkunft angeht. Es geht los mit einer Spätlese aus dem warmen Jahr 2005. Den Wein habe ich als in seiner Jugend etwas von Süße dominiert in Erinnerung. Nach 20 Jahren ist die Süße nach wie vor präsent, aber gut eingebunden.



2005 Schloß Lieser Lieser Niederberg Helden Riesling Spätlese

Reifes Goldgelb
Recht verhaltener Duft nach gelben Früchten, etwas Zitrus
Am Gaumen auf der süßen Seite, aber mit schöner Frucht (Aprikose), leichter Vanillenote und recht langem Nachhall 

89-91, dürfte die Form noch ein paar Jahre halten


Der nächste Wein hat eine Vorgeschichte. In den Tagen und Wochen zuvor hatte ich eine ganze Reihe trockener Moselweine des Jahrgangs 2011 probiert, mit ziemlich katastrophalem Ergebnis. Selbst GGs aus renommierten Häusern enttäuschten auf ganzer Linie. Insofern waren meine Erwartungen nicht allzu hoch, als ich nun von 2011 trocken auf 2011 restsüß wechselte. Ich wurde angenehm überrascht. 

 


2011 A.J. Adam Dhroner Hofberg Riesling Spätlese

Reifes Goldgelb
Im mittelintensiven Duft eine (gelbe) Fruchtmischung, die mich an den Jahrgang 2003 erinnert, daneben Backgewürze (Vanille)
Am Gaumen präziser Fruchtausdruck, wieder etwas Vanille, passende Säure, recht langes Finale
Insgesamt ein sehr stimmiges Paket; schöne Spätlese aus warmem Jahr. 

90-92, jetzt und sicher auch noch in den nächsten 3-5 Jahren in bester Trinkreife 

 

Über den nächsten Wein habe ich auch an anderer Stelle (guckstu hier) berichtet, aber da er auch Süßwein der Woche war, wiederhole ich die Notiz hier. 

2021 Benvenuti "Corona Grande"

Goldgelb
Ausgeprägter und reintöniger Duft mit Muskatprägung, florale Noten und exotische Frucht (Litschi?)
Sehr süßer Antrunk, intensive und etwas parfümiert wirkende Aromatik mit exotischer Frucht und Honig, recht lang
Dürfte als Dessertbegleitung gut "funktionieren", als Solist macht der Wein recht schnell satt.  

88-90, würde ich eher jung trinken 

 

Der folgende Wein ist ein echter Oldie mit 36 Jahren auf dem Buckel. Gekauft habe ich ihn 1995 auf dem Weingut. Ich bin länger um die (halbe) Flasche herumgeschlichen, weil ich befürchtete, sie könnte ihren Zenit überschritten haben. Zum Glück waren diese Befürchtungen unbegründet; der Wein präsentierte sich sehr vital. 

Ich habe einen alten Probebericht (etwa 2008, guckstu hier) gefunden, in dem dieser Wein mit 82 Punkten "abgestraft" wurde. Das kann ich so nicht nachvollziehen (aber ich weiß natürlich nicht, wie der Wein sich damals präsentiert hat).


1989 Müller-Catoir Mußbacher Eselshaut Rieslaner Beerenauslese (0,375) 

Bernsteinfarben 
Im Duft von mittlerer Intensität mit Noten von Trockenpflaumen, Nüssen
Am Gaumen wieder Trockenfrüchte, schöne Balance zwischn der Süße und einer fast rassigen Säure. Der für eine Beerenauslese recht hohe Alkoholgehalt (12%) ist gut verpackt. Langer Nachhall.
Schöner, wenn auch durch den recht hohen Alkohol etwas untypischer Süßwein ohne Ermüdungserscheinungen. "Funktioniert" wahrscheinlich als Begleiter zu Desserts oder Blauschimmelkäse besser denn als Solist.

90-92, bald trinken 

 

Und zum Schluß zurück an die Mosel bzw. genauer an die Ruwer. Die erste von unseren sechs Flaschen 2016er Abtsberg Spätlese kam unter den Korkenzieher. 


2016 Abtsberg Spätlese 

Goldgelb
Recht ausgeprägter und animierender Duft nach gelben Früchten, etwas Stachelbeere, Kräutern und Backgewürzen 
Am Gaumen wird die recht ausgeprägte Süße gut von der Säure balanciert, saftige Frcuht mit Kandisnoten, recht lang
Sehr schöne Spätlese mit weiterem Potential 

91-93, bis 2030+

Samstag, 27. September 2025

Der Ersatzwein

Als im Frühjahr die Subskriptionskampagne für die 2024er Bordeaux (eher holprig) lief, habe ich mehr aus der Ferne zugeschaut. Ich hatte nämlich beschlosen, mich aus diesem Geschäft zurückzuziehen und keine Bordeaux aus 2024 und den nachfolgenden Jahren mehr zu kaufen. Erstens haben wir den Keller übervoll mit Bordeaux und zweitens bin ich mittlerweile in einem Alter, in dem man sich nicht unbedingt Weine in den Keller legen muss, die noch 20 Jahre bis zur vollen Reife brauchen. Vieles von dem, was man über die Qualität der 2024er las, machte den Verzicht auch leicht. 

Aber irgendwie juckt es ja dann doch in den Fingern. Daher habe ich, während die 2024er Kampagne lief, noch einen 2022er nachgekauft. Chateau Tronquoi (früher Tronquoi-Lalande), mit neuem Design und aus dem gleichen Stall, aus dem auch Chateau Montrose kommt, hatte Kritikerbewertungen bekommen, die angesichts des moderaten Preises geradezu sensationell waren. Das ging, und zwar auf recht breiter Basis, bis hinauf zu 96 Punkten. Angesichts eines Preises von ganz knapp über 30 Euro schien mir das ein besserer Kauf als die 2024er (die ich mir zudem ja selbst verboten hatte).


 

2022 Chateau Tronquoi 

Sehr dunkles, jugendliches Rot mit Purpurschimmer
Intensiver Duft, bei dem zunächst florale Noten dominieren, gefolgt von dunkler Frucht. Mit mehr Luft wird das vielschichtiger mit etwa Lakritz und einer interessanten pfeffrigen Würze.
Am Gaumen rollt eine Welle von mit Gewürzen gespickter dunkler Frucht an, getragen von einer Ladung sehr reifen Tannins, das sich erst im recht langen Abgang richtig bemerkbar macht. Der nominell hohe (14,5%) Alkohol ist gut verpackt.
Der Wein trinkt sich derzeit sehr gut (auch wenn ich da etwas zurückhaltender punkte als andere), aber da ist noch viel Babyspeck. Ich werde die restlichen Flaschen erstmal weglegen.

91-93+, 2030-2040+