Ich bin recht empfindlich was zu lange geöffnete Rotweinflaschen angeht. Der Geschmack ist mir aus den frühen Jahren meines Weintrinkerdaseins sehr vertraut. Damals war ich regelmäßig bei Jacques' Weindepot zu Gast. Dort standen alle Rotweine aufgereiht zur Probe. Meistens war auf dem Etikett vermerkt, an welchem Tag die Flasche geöffnet worden war. Bei Flaschen, die schon mehrere Tage offen waren, hatte ich häufig einen Geschmackseindruck, den ich zwar im Nachhinein nicht mehr gut beschreiben kann, aber immer als unangenehm empfand.
Vor genau acht Tagen, am 16. April, haben wir eine Flasche des 2018er Schweigener Spätburgunders von Friedrich Becker geöffnet. Ich habe ein oder zwei Gläser getrunken und mir Notizen gemacht (daher weiß ich auch das Datum noch). Danach geriet die Flasche in Vergessenheit. Sie stand, mit ihrem Schraubverschluß verschlossen, in der Küche. Nix Keller oder Kühlschrank, nix Luft abgepumpt oder mit Gas aufgefüllt. Nein, die Flasche stand einfach in der Küche. Heute fiel sie mir dann wieder auf. Mein erster Impuls war, sie wegzuschütten. Kann doch nicht mehr gut sein, nach acht Tagen in der geöffneten Flasche. Dann dachte ich mir: Riech doch mal dran. Und dann: Probier doch mal. Und siehe da, der Wein war noch voll da und gefiel mir sogar noch ein wenig besser als acht Tage zuvor. Ich habe mir dann nochmal Notizen gemacht ohne mir vorher die vom 16.4. anzuschauen.
2018 Becker Schweigener Pinot Noir (16.4.)
Mittleres bis dunkles Rot ohne Reifenoten
Recht kräftiger Duft mit viel Kirsche, Gewürznoten
Am Gaumen ein kraftvoller Bursche, fleischig, mit einer ordentlichen Portion Tannin und einer "Säurespur", die sich durch den Wein zieht.
87-89, bis 2030+
2018 Becker Schweigener Pinot Noir (24.4.)
Kräftiger Duft mit viel dunkler Frucht, Kirsche, Gewürznoten
Auch
am Gaumen kraftvoller Auftritt mit kernigem Tannin, frischer Säure und
herb-saftiger Frucht
Punktet eher durch Kraft als durch Eleganz

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