Ende Februar versammelte sich eine kleine Runde in der wineBANK Köln zu einer Probe mit 14 Bordeaux aus dem Jahrgang 2014. Dieser Jahrgang folgt auf den sehr mäßigen 2013er (den vielleicht schlechtesten Jahrgang des Jahrzehnts), und auch 2012 und 2011 waren keine Überflieger. Dem entsprechend wurden die 2014er zunächst gut aufgenommen, aber durch die nachfolgenden Jahrgänge 2015 und vor allem 2016 etwas in den Schatten gestellt. Im nunmehr zwölften Jahr nach der Ernte schien der Zeitpunkt gekommen, einen erneuten Blick auf den Jahrgang zu werfen.
Dass die Runde klein war, ist zwar einerseits enttäuschend (man hätte sich doch mehr Interesse gewünscht), hatte aber auch einen grossen Vorteil. Es war (selbst bei den grossen Namen) genug Wein da, um am Ende der Probe noch einmal nachverkosten zu können. Einige Weine haben sich (obwohl alle Flaschen am Vormittag der Probe doppelt dekantiert worden waren) durch die zusätzliche Zeit und Luft vorteilhaft entwickelt.
Den Anfang machten drei Margaux, blind verkostet. Chateau Labegorce sehr fein, floral mit roter Frucht und guter Balance (91). Daneben Chateau Rauzan-Segla mit intensiv-floralem und sehr feinem Duft, sehr generös und mit vernehmlichen Röstnoten (93). Im dritten Glas Chateau Malescot St. Exupery, der beständig zulegte. Im Duft rotfruchtig und zunächst etwas rustikal. Das Rustikale verschwindet aber mit der Zeit und macht Platz für feine florale Noten, Kirsche. Röstnoten, etwas Teer und etwas gerösteter Paprika. Zu Beginn war ich bei (92), bei einer Nachverkostung am Ende der Probe eher einen bis zwei Punkte höher. Eine schöne Überraschung.
Von Margaux nach Saint-Julien. Chateau Langoa Barton war eine Fruchtbombe mit viel Kirsche, Cassis, etwas likörig. Auch am Gaumen viel Frucht, generös, mit etwas alkoholoscher Wärme (92). Einige Mitverkoster nahmen eine Stallnote wahr und bewerteten den Wein schwächer, aber ich konnte diese Note beim besten Willen nicht wahrnehmen. Danach alle drei Leovilles, auch blind verkostet. Sehr fein und vielschichtig Chateau Leoville Poyferre. Viel rote Frucht und Kirsche und eine etherische Note im Duft, am Gaumen dann sehr fein, "transparent" und mit sehr feinem Tannin (94). Chateau Leoville Las Cases mit viel Frucht und Noten vom Holzausbau (Kokos?), Gewürzen und Paprika im Duft. Auch am Gaumen viel Frucht, Kräuternoten, viel Tannin (95). Chateau Leoville Barton auch mit viel eher kirschiger Frucht im Duft, am Gaumen neben der Frucht kräftiges (und vielleicht noch etwas hartes) Tannin (92+). Im Moment einen Tick hinter den Namensvettern, aber das kann sich mit der Zeit noch ändern.
Es ging mit einem Exoten weiter. Exot, weil das der einzige Wein vom "rechten Ufer" war. Chateau Pavie Macquin im Duft floral, Veilchen(?), am Gaumen Kirsche, viel weiches, die Zunge belegendes Tannin (90).
Zurück ans linke Ufer, nach Pessac-Leognan. Domaine de Chevalier mit dunkler Frucht, Kräutern und (mit mehr Luft) auch Kirsche im Duft. Am Gaumen eher "weich" wirkend, mit einem leichten Süßeeindruck, wieder Kräuter (91). Daneben anders, aber auf ähnlichem Niveau, Chateau Haut-Bailly mit sehr feinem, wieder kirschfruchtigem Duft. Am Gaumen "sehr Cabernet" mit Paprika neben der Frucht, viel und auch (noch?) etwas hartes Tannin (91).
Auch aus Saint-Estèphe gab es zwei Weine. Chateau Meyney mit schönem, sehr dunkelfruchtigem Duft. Auch am Gaumen dunklefruchtig mit schöner Reife und noch deutlich spürbarem Tannin (91). Das ist zwar durchaus Cru Classé-Niveau, aber doch ein Stück hinter Chateau Calon Segur. Intensiver, sehr fruchtiger Duft, vielschichtig mit dunkler Frucht und Pumpernickel. Auch am Gaumen dunkelfruchtig mit sehr feinem Tannin (94).
Den Abschluß machte Pauillac. Hervorragend Chateau Grand-Puy-Lacoste mit sehr schönem Duft, Paprika und pflaumige Frucht. Am Gaumen perfekte Reife, etwas Paprika, superfeines Tannin (94). Und schließlich Chateau Pontet Canet. Sehr intensiver Duft, Schlehe, rote Frucht (Erdbeere!). Auch am Gaumen viel rote Frucht (Erdbeere und Himbeere), daneben Pflaume, kreidige Mineralik (95). Ein toller Wein, aber kein typischer Pauillac. Ich habe keine Ahnung, wo ich den blind hingesteckt habe. Die Erdbeernoten weckten sogar Assoziationen an Grenache.
Fazit: 2014 ist ein guter, aber kein grosser Jahrgang. Einige Weine sind am Beginn der Trinkreife, andere brauchen noch etwas mehr Zeit. Ganz vorne Leoville Las Cases, dem ich den Vorzug vor dem für mich untypischen Pontet Canet geben würde. Nur knapp hinteer den beiden Leoville Poyferre, Calon Segur, Grand Puy Lacoste und der (für mich etwas überraschend) sehr schöne Malescot St. Exupery. .







